Dina schnell auf den Arm genommen und beruhigte sie. Von der Einrichtung der beiden neuen Räume zeigten sich die ,, hohen Herren" befriedigt, wie sie auch sonst nichts auszusetzen fanden, obwohl ich ihnen vor der Besichtigung der Küche sehr ruhig erklärt hatte, daß sie nicht so blinkend sauber und in Ordnung sei wie sonst. Zu viele meiner Helferinnen waren durch die letzten Deportationen entfernt worden, es gelang mir nicht mehr, sie zu ersetzen. Aber sie beanstandeten nichts, und schon glaubte ich die Revision wieder einmal glücklich zu Ende, als auf dem Wege zum Tor aus dem Auto die Freundin des Obersturmführers ihm entgegenrief, sie habe eine Heiminsassin mit dem Judenstern in die Kirche gehen sehen, ob das denn erlaubt sei. Ich wandte ein, daß wir auch katholische Heiminsassen hätten, die häufiger die Kirche besuchten. Aber schon drehte sich der Obersturmführer um und schritt der Kirche zu. Böses ahnend, folgte ich ihm und dem Regierungsrat. In der Kirche befanden sich zwei Frauen, eine Heiminsassin und eine Fremde, in ihr Gespräch so vertieft, daß sie erst aufsahen, als der Obersturmführer dicht vor ihnen stand. Drohend wies er sie zur Türe, die in den Klostergarten führte, wo wir stehen geblieben waren. Schnell stellte sich heraus, daß die Fremde die frühere Hausangestellte der Frau Stern aus unserem Heim war. Wie dies Treffen verabredet wurde, weiß ich nicht, es wurde auch glücklicherweise nicht danach gefragt. Außer sich vor Wut, hatte der Sturmführer die Hand erhoben, und schon trafen harte Schläge das Gesicht der armen alten Frau Stern. Zuerst stand ich wie gelähmt, dann aber warf ich mich, ohne die etwaigen Folgen zu bedenken, zwischen die beiden. Der Obersturmführer hielt einen Augenblick inne, schon glaubte ich, nun werde er auch auf mich einschlagen, ein so böser Blick traf mich, aber das geschah nicht. ,, Sie schicken mir die Frau morgen früh in die Widenmayerstraße", keuchte er ,,, so leicht soll sie nicht davonkommen." ,, Das wird leider nicht möglich sein“, ent
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