würde ich angewiesen sein. Ich sei mir wohl bewußt, was ich damit von jenen fordere, die täglich zehn Stunden in der Fabrik schafften, und ich würde versuchen, die Arbeit im Hause und in der Küche so einzurichten, daß jeder nur einmal in einer oder gar zwei Wochen etwa zwei Stunden abends Dienst zu tun hätte. Nur wenn sie alle sich mit einer solchen Einrichtung einverstanden erklärten, würde ich die Leitung übernehmen können. Eine Frau, die mir schon oft tüchtig geholfen hatte, meldete sich zum Wort. Sie sei von den weiblichen Insassen beauftragt worden, mir zu sagen, daß alle Frauen des Heims zu den von mir als nötig erachteten Sonderarbeiten bereit seien. Sie solle mir sagen, daß die Freude über meine Rückkehr unendlich groß sei. Ich könne auf jede Unterstützung durch die Frauen rechnen. Soviel hatte ich nicht erwartet, ich war freudig überrascht! Zwar wußte ich, daß es in der Praxis häufig Schwierigkeiten bei der Durchführung dieser Maßnahme geben würde, aber wenn ich mich auf die allgemeine Bereitschaft stützen konnte, so war damit schon sehr viel gewonnen. Herr Löwenberger, mit dem ich am Nachmittag im Büro schon das Wichtigste besprochen hatte, erhob sich und führte aus, daß diesmal unerwartet die Frauen den Männern den Rang abgelaufen hätten was mich ganz besonders freute; er sei von den männlichen Insassen gebeten worden, die Zustimmung zu meinen Vorschlägen und den Dank für die Bereitwilligkeit, die schwere Aufgabe zu übernehmen, auszudrücken. Ich dankte allen kurz und schloß die Zusammenkunft. Aber erst mußte ich noch unendlich viele Hände drücken und manche Ausrufe der Freude über meine Rückkehr über mich ergehen lassen.
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Die Nacht ist fast vorbei, in einer Stunde schon wird Frau Dillenius wieder aufstehen, um zur Arbeit zu gehen. Aber ich mußte mir diese Erlebnisse von der Seele schreiben, habe ich dabei doch immer das Gefühl, Dich auf diese Weise ein wenig teilnehmen zu lassen an dem, was mich bewegt und was mich erfüllt.
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