Ach, was bin ich froh, daß Sie wieder da sind!" Ich konnte nur kurz danken, gleich war sie wieder draußen. Eine Tasse guter Brühe und eine Omelette mit Konfitüre, sie wußte genau, was ich gern mochte! Ich konnte es ihr nicht antun, es stehen zu lassen. Langsam begann ich zu essen, siehe da, es schmeckte! Der Mensch ist doch ein schrecklich materielles Wesen, mußte ich denken. Ich war gerade fertig, als es wieder klopfte. Frau Dillenius trat ein und umarmte mich. Ich weiß, daß wir beide in diesem Augenblick an Frau Altschüler dachten, die die Dritte im Bunde hätte sein sollen! Aber dann faßten wir uns, und ich begann zu fragen, von wem die vielen Blumen und die anderen Sachen waren. Die herrliche weiße Azalee war vom Kloster, die rosablühende von den Frauen und die rote von den Män­nern, an den übrigen Blumen und den sonstigen Geschen­ken entdeckte ich bei genauerem Nachsehen kleine Kärt­chen mit den Namen der Geber. Ehe mich Frau Dillenius wieder allein ließ, gab sie mir mein Tagebuch zurück.

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Als ich um acht Uhr in den großen Speiseraum kam, waren die Heiminsassen schon alle versammelt. Von vielen der Fortgegangenen brachte ich Grüße, auch Briefe und Karten hatte ich abzugeben. Dann erstattete ich meinen ausführlichen Bericht. Du weißt, daß ich oft öffentlich ge­sprochen habe, geworben habe für die ehrenamtliche Mit­arbeit in der Gefährdetenfürsorge, daß ich häufig von den vielfachen Schicksalen erzählte, die ich während meiner Fürsorgearbeit im Gefängnis erfuhr; aber niemals vorher habe ich ein so atemlos lauschendes Publikum gehabt, das mit geradezu körperlich fühlbarer Spannung an meinem Munde hing, wie an diesem Ostersonntag!- Im Anschluß an den Bericht sagte ich ihnen dann, daß ich nun allein die Leitung der Heimanlage übernehmen müßte, daß ich mir darüber klar sei, welch eine schwere Aufgabe ich damit auf mich geladen hätte, und daß ich sie nur würde lösen können, wenn jeder einzelne Heiminsasse mir dabei Hilfe leiste. Auch auf die praktische Mitarbeit jedes einzelnen

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