München , Sonntag, den 3. August 1941

Der Vertrauensarzt der Ortskrankenkasse hat mich für jede Fabrikarbeit arbeitsunfähig geschrieben. Also hat die Arbeit in Lohhof nicht viel länger als drei Wochen ge­dauert. Auf Grund dieses Zeugnisses hat Herr Direktor Stahl vom Stellvertreter des Gauleiters die Genehmigung erhalten, mir die Wirtschaftsführung und Betreuung der Frauen in Berg a. L. zu übertragen. Morgen trete ich meine neue Stellung an und ziehe hinaus. Donnerstag war ich mit Hellinger, unserem zweiten Vorsitzenden, zum er­sten Male draußen, um mir das neue Heim anzusehen und mich mit den Herren der Leitung, denen ich nun beigesellt werde, bekannt zu machen. Es sind drei: Primus inter pares ist der Hauptlehrer Alb, ein Mann von fünfundfünfzig Jahren, ein typischer Vertreter seines Berufes, wie mir scheinen will, mit allen Vorzügen und Schwächen. Die bei­den anderen sind Schulkameraden von Hellinger, also etwa vierzigjährig, beide ursprünglich Kaufleute. Heilbronner , der eine, sehr ruhig, gewandt, klug und sympathisch. Abel, lebhaft, technisch und praktisch sehr begabt, heiter und arbeitsfreudig. Vom ersten Augenblick an wußte ich, daß ich gut mit ihnen würde arbeiten können.

Die ,, Heimanlage für Juden in Berg a. Laim", das ist der offizielle von der Partei gewählte Name, ist ein schönes, modern eingerichtetes Haus. Uns stehen die Hälfte des Sou­terrains, das Erdgeschoß und das erste Stockwerk zur Ver­fügung, während die Klosterschwestern den zweiten Stock und die andere Hälfte des Souterrains behalten. Breite, be­queme Treppen, lange geräumige Flure, alles mit grünem Linoleum belegt, je eine wunderschöne Terrasse auf jedem Stockwerk mit weitem Blick über Felder und Gärten und auf die Bayrischen Alpen . Die Räume im Souterrain ebenso wie die Toiletten und das Bad hellgrün und weiß gekachelt, alle Zimmer mit zartgrünem Anstrich und Linoleumboden, das sollte wirklich für uns bestimmt sein? Gewiß, alle Zim­

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