mer sollen bedrückend eng belegt werden, jedem Insassen soll nur ein schmaler Militärschrank im Flur für seine Sachen zur Verfügung stehen, schmale holzbedeckte Pritschen übereinander statt richtiger Betten, aber das ist in Milbertshofen ebenso, und dort bilden kahle, häßliche Baracken den äußeren Rahmen! ,, Glauben Sie wirklich, daß man uns hier längere Zeit lassen wird?" fragte ich zweifelnd die mich führenden Herren. ,, Wie sollen wir das wissen", entgegnete Hellinger ,,, jedenfalls müssen wir so tun, als richteten wir uns für längere Zeit ein." Ich wählte mir dann mein Zimmer aus, in der Mitte des ersten Stockes, der für die Frauen bestimmt ist. Auch ich kann nicht damit rechnen, einen Raum für mich allein zu bekommen, aber statt der in den kleinen Zimmern sonst vorgeschriebenen sechs Betten sollen nur vier darinbleiben, an Stelle der zwei herauszunehmenden soll der Schreibtisch stehen, den mir Frau Tuchmann mitgeben wird, außer der hübschen alten Kommode, in der sich mancherlei Material für das Heim unterbringen läßt. Das Zimmer ist vier zu zweieinhalb Meter groß, jedes Stockwerk hat eine Reihe solcher. Daneben gibt es noch größere Räume, in denen zwölf, sechzehn und achtzehn Leute untergebracht werden sollen. Das Erdgeschoß enthält außerdem einen Saal, von den Schwestern als Bet- und Versammlungsraum bestimmt, in ihnen sollen sechsunddreißig Männer Unterkunft finden. Im ganzen können dreihundertzwanzig Menschen aufgenommen werden. Jeder Raum trägt an der weißen, mit grün abgesetzten Tür den Namen einer oder eines Heiligen, mir wird die Hl. Theresia in Nr. 38 eine Zuflucht bieten. Das große Fenster meines Zimmers gibt mir den Blick auf den Klosterhof, ein Stück Garten, das Schiff der schönen Barockkirche und ein weites Stück Himmel frei. Ich liebe dieses Zimmer schon jetzt, wie ich die ganze Atmosphäre des Hauses, ja des ganzen von einer Mauer umgebenen Geländes als ungemein friedlich und beruhigend empfinde.
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