Im Erdgeschoß hat der Hauptlehrer für sich das Zim­merchen des Pförtners gewählt, das er bei voller Belegung mit einem zweiten teilen muß, während Heilbronner und Abel im Büro wohnen und schlafen. Die ersten Insassen sind zum größten Teil freiwillig herausgezogen. Es sind meist jüngere Menschen, die in einer der Münchner Fa­briken arbeiten, teils ältere, zur Fabrikarbeit nicht mehr eingeteilte Frauen, die im Heim selbst arbeiten werden. Dann sind noch einige Menschen hier, die vom Haupt­sturmführer ,, strafweise" hierher versetzt sind. Das Heim bekommt keinerlei Personal zugeteilt, außer einer ehren­amtlich arbeitenden Köchin, die nicht im Heim wohnt. Sie hat bisher in unserem kleinen Heim in der Wagnerstraße die Küche geführt, die wir anfänglich für die Rückwan­derer eingerichtet hatten, und die viele unserer Leute, die noch in Schwabing wohnen, mittags mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Doch wird der Kreis derer, die dort essen, allmählich durch die zahlreichen Entmietungen im­mer kleiner. So können wir mit gutem Gewissen Fräulein Lind als Köchin zu uns nehmen und die Küche in der Wag­nerstraße einer ihrer Helferinnen überlassen.

Berg a. Laim, Sonntag, den 10. August 1941

Mein Um- und Einzug am Montag vollzog sich reibungs­los, Heilbronner und Abel halfen mir sehr nett, mich einzu­richten. Dabei erklärten sie mir, daß es für sie schwierig sei, mit dem Hauptlehrer zu einer gedeihlichen Zusammen­arbeit zu gelangen, ja, daß sie schon überlegt hätten, ob es nicht geratener sei, die Arbeit aufzugeben. Doch wollten sie abwarten, ob es mit meiner Hilfe leichter sein werde. Inzwischen weiß ich, daß die Vermittlung zwischen den beiden Praktikern und dem philosophierenden Theoretiker,

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