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noch sehr viel fehlt. Es handelt sich um etwa zwanzig Leute. Vorläufig werden sie von den Klosterschwestern morgens mit Kaffee, mittags mit einem Eintopfgericht und abends mit einer Suppe versorgt. Das Uebrige kaufen sie sich auf ihre Lebensmittelkarten. Das Lager soll vor allem die nicht mehr arbeitsfähigen alten und kranken Leute auf­nehmen, während die jüngeren in das Barackenlager Mil­ bertshofen geschickt werden. Direktor Stahl hofft jetzt be­stimmt, mich für die Wirtschaftsführung in Berg a. Laim zu bekommen, wenn der Vertrauensarzt mich von der Fa­brikarbeit befreit.-

Auch in Lohhof soll sich manches ändern. Alle jüdischen Mädchen von fünfzehn bis achtzehn Jahren sollen draußen nicht nur arbeiten, sondern auch in einer neu aufgebauten Baracke wohnen unter Leitung einer jüdischen Freundin Annemaries, die bisher in ihrer Wohnung ein privates kleines Altersheim hatte. Nun muß sie diese auch räumen, die alten Leute werden in unserem Altersheim unterge­bracht, sie zieht als Leiterin des jüdischen Arbeitslagers mit in die Baracke nach Lohhof. ,, Baby" soll ihr als Hilfe zur Seite stehen. Auch Polinnen und Ukrainerinnen, in einer besonderen Baracke wohnend, sollen dort arbeiten. Was noch an ,, arischen" Arbeitern draußen ist, kommt fort, ebenso die kriegsgefangenen Franzosen. Lohhof soll ein Betrieb mit rein jüdischen Arbeitskräften werden. Die jü­dische Leitung über all diese Arbeitskräfte übernimmt Herr Gr., früher hoher Beamter im Reichsfinanzministerium in Berlin , bisher in Milbertshofen tätig.

Uebrigens hätte ich fast zu erwähnen vergessen, was mir meine Arbeit in der Fabrik einbrachte. Ich erhielt bei zehn­stündiger Arbeitszeit wöchentlich 11.70 Reichsmark aus­bezahlt! Ein Glück, daß ich zwar schon über ein Jahr nicht mehr 250 Reichsmark monatlich von Deiner Pension erhalte wohl aber 200 Reichsmark vom Sperrkonto un­seres Schwagers, der in Amerika ist.

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