Scheunen befanden, die zum größten Teil gleichfalls mit Flachshaufen angefüllt waren. Schließlich erreichten wir auf freiem Felde eine Gruppe von etwa acht Menschen, die an zwei Tischen Flachshaufen sortierten, die dann eine Maschine mit Hanfschnur zu Bündeln band. Der Aufseher wies die Frauen des einen Tisches an, mir die Arbeit zu zeigen, und entfernte sich. Meine Arbeitskolleginnen gefallen mir gut, es herrscht ein netter, kameradschaftlicher Ton unter ihnen. An der Maschine arbeitet ein Mann, ein kriegsgefangener Franzose, andere tragen uns die Flachshaufen von dem nächsten großen Haufen zu. Die Unterhaltung mit den Franzosen ist uns streng verboten. Aber dies Verbot reizt ständig zur Übertretung, besonders da wir uns auf weiter Flur allein mit ihnen befinden, es kann auch ohne große Gefahr außer acht gelassen werden, da wir an unseren zwei Tischen, die je zu einer Seite der Maschine im rechten Winkel zu ihr stehen, das Gelände völlig übersehen können. Wir waren im besten Gespräch mit einem der Flachs tragenden Franzosen, als von der Maschine her die kurze Weisung kam: ,, Attention, le Chapeau gris!" Ich wurde schnell belehrt, daß die drei Aufseher nach der Farbe ihrer Hüte benannt werden. Zwei von ihnen, le Chapeau gris und le Chapeau blanc seien unangenehm, der dritte, le Chapeau vert, sei ein gutmütiger anständiger Kerl, der aber nicht so viel zu sagen hätte wie die beiden anderen.
Die Arbeit selbst ist für Menschen mit zwei gesunden Armen nicht schwer. Die Flachshaufen müssen völlig auseinandergenommen, die einzelnen Stengel auf ihre Festigkeit geprüft werden. Brechen sie, so kommen sie auf den Abfallhaufen. Es ist dann darauf zu achten, daß gleich große Haufen der selben Flachssorte gemacht werden, und daß das Ende der Stengel eine möglichst glatte, runde Fläche bildet. Die Franzosen machen sich lustig über den vielen Abfall. Anscheinend liegen die Stapel schon viel zu lange, viele Haufen sind völlig verschimmelt und entwickeln entsetzlichen Gestank. Auch der Staub, den die Bündel ent
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