Wir haben das friedlich schöne Leben alle miteinander unendlich genossen. Wir machten Entdeckungsreisen in die nähere und weitere Umgebung, und als mit dem näherkommenden Winter das Wetter sie verbot, versammelte sich die Familie am Nachmittag im Wohnzimmer, und es wurde vorgelesen. Wir hatten ja auch unsere Bücher wieder, und wir konnten sie aus der Staatsbibliothek in München ergänzen. Die ganzen Jahre im Isartal bis zum Frühjahr 1937, als uns die Kinder verließen, erschienen uns nach dem schweren Jahr in Berchtesgaden und Reichenhall wie ein schönes, buntes Märchen, das nur selten kleine Trübungen erfuhr. Viele alte Freunde stellten sich ein und freuten sich mit uns der überwundenen Schwierigkeiten.
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Isartal, den 6. September 1939
Ich mußte gestern aufhören zu schreiben, weil die Nachbarin uns hinüberbat. Sie hatte Gäste, unter ihnen auch Herrn und Frau Pr. Es wurde über Musik gesprochen, Tilla und ich drückten unser Bedauern darüber aus, daß wir keine Möglichkeit hätten, gute Musik zu hören. Herr Pr. schlug vor, mit den größeren Nachbarkindern und seinem Sohn zusammen zu musizieren, leichtere Sachen mit ihnen zu proben und sie dann vorzuspielen. Dieser Vorschlag wurde begeistert angenommen und gleich der erste Uebungsabend festgesetzt. Als wir uns trennten, lockte Tilla und mich der wunderbare Abend. Wir machten noch einen langen Spaziergang und waren wieder entzückt von der Lieblichkeit dieser Landschaft, die Dir und mir in den Jahren unseres Hierseins ans Herz gewachsen ist.
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Gewiß waren auch die Jahre hier nicht ganz ohne Schwierigkeiten verlaufen, auch hier trübte mancher Miẞklang die Harmonie unseres Lebens. Ich denke nur an die
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