legenheit auch als Menschen kennen und schätzen gelernt haben! Noch ehe ich wieder ganz gesund war, kam das von mir Gefürchtete: Du wurdest von der Polizei nach Berlin berufen! Zwar hatte die Haussuchung, die in unserer Abwesenheit vorgenommen wurde, nichts Belastendes ergeben, sie war auch in rücksichtsvoller Form von den Polizisten unseres Reviers vor sich gegangen, aber man stellte Untersuchungen über Deine Arbeit im Ministerium an und wollte Dich in der Nähe haben, falls sich das geringste Belastungsmaterial finden sollte. Doch das war nicht der Fall, und nach wenigen Tagen voller Angst und Unruhe konntest Du zurückkehren, ja, man stellte Dir frei, mit uns zu bleiben, wo wir wollten. Denn schon damals zeigte sich bei Dir das nervöse Magenübel infolge all der Aufregungen, und unser Arzt, der es unermüdlich zu bekämpfen begann, äußerte seine Bedenken über eine Rückkehr nach Berlin . Noch aus einem anderen Grunde erwogen wir zu bleiben, wo wir waren: Das Leben in der Großstadt war viel teurer und unseren jetzigen pekuniären Verhältnissen nicht mehr angepaßt, da Du Deiner politischen Einstellung halber nur einen Teil der Dir eigentlich zustehenden Pension erhieltest. Ein Leben in der Großstadt, in der alten Umgebung, erschien uns auch sinnlos ohne unsere Arbeit, an die wir täglich hundertfach schmerzlich erinnert werden mußten. Dieser plötzliche Abbruch quält mich immer noch-, heute kann ich es aussprechen, obwohl wir es die ganzen Jahre hindurch vermieden haben, an diese offene Wunde zu rühren.
Eine geliebte Arbeit so ohne jeden Abschluß abrupt aufgeben zu müssen, ist wohl immer unangenehm, besonders wenn sie mit Menschen zu tun hat und nun gar mit dieser empfindlichsten und schwierigsten Art, den Straffälligen! Das Ende kam sehr plötzlich, als ich am 31. März des Jahres 1933, schon mit dem Hut auf dem Kopf, eben im Begriff ins Gefängnis zu fahren, auf das Läuten des Telephons hin den Hörer abnahm. Die Stimme einer Gefäng
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