haupt die Jahre von 1925 bis 1933 gesegnet waren mit der Freundschaft vieler wesensverwandter Menschen.

Aber mit dem Ende des Jahres 1932 änderte sich alles. Zuerst wurde Dir Deine Arbeit genommen, und dann ka­men jene schweren Monate von April bis Juli 1933, die gekennzeichnet waren durch die Verfolgung und Marte­rung der politischen Freunde, von denen so mancher bei uns Unterschlupf suchte und fand. Nie vergesse ich das zermürbende Warten auf die Haussuchung, die bei fast allen sozialdemokratischen Funktionären schon in den ersten Wochen nach dem Umsturz stattgefunden hatte, mit mehr oder minder schlimmem Ausgang für die Betroffenen. Bis zur Abreise nach Bayern blieb sie bei uns aus, sie kam dann erst in unserer Abwesenheit und in sehr harmloser Form. Aber als die gänzlich unerwartete Steuerrückzah­lung uns die Möglichkeit dazu gab, zögerten wir doch nicht, uns noch einmal eine Ferienreise mit unseren Kin­dern zu gönnen. Das Ziel war ein kleines Dorf, nicht weit von Berchtesgaden , wo wir schon die Ferien der letzten Jahre verbracht und uns mit einer Bauernfamilie ange­freundet hatten. Anfang Juli ließen wir Berlin , in dem ich vermeinte, nicht mehr atmen zu können, hinter uns. Aber so schön es in den geliebten Bergen und der heiteren, mir von so vielen Sommern seit meiner frühen Kindheit her vertrauten Landschaft auch war, ich mußte erleben, daß sie ihre Ruhe und ihren Frieden nur dem mitteilt, der inner­lich imstande ist, sie in sich aufzunehmen. Und ich war noch so erfüllt von der Unruhe, ja, der Angst um viele befreundete Menschen, von deren Folterung ich wußte, deren Folgen ich zum Teil selbst gesehen hatte, auch von der Sorge um Dich, dem es als Juden und Sozialdemokra­ten genau so ergehen konnte, daß die erhoffte Wir­kung ausblieb und sich nach kurzer Zeit die schon mehr­mals überstandene, gefürchtete Krankheit wieder zeigte, die erst nach vielen Wochen behoben war. Wir gedenken beide mit Dankbarkeit des Arztes, den wir bei dieser Ge­

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