meinen Ausgaben nur ein bestimmter Teil der Pension durch Vermittlung des von Dir noch ernannten Vermö­gensverwalters monatlich bezahlt werden sollte. Ich erfuhr nachher auf der Kultusgemeinde, daß der festgesetzte Be­trag von 250 Reichsmark monatlich sehr generös war! Je­denfalls wird er mir gestatten, Tilla bei mir zu behalten, selbst wenn sie ohne eigenen Verdienst bleiben sollte, und die Arbeit in der jüdischen Gemeinde ehrenamtlich auszu­üben, was mir sehr lieb ist. Wie sich diese übrigens ge­stalten wird, ist noch ungewiß. Herr Rat meint, daß sich sicher aus den Ereignissen heraus bald neue Aufgaben er­geben werden, und er ist froh, mich dafür in Reserve zu haben. Zunächst arbeite ich in der Sprechstunde der Wohl­fahrtshilfe, um dort die Fürsorgerinnen ein wenig zu ent­lasten.

Es herrschte große Aufregung in der jüdischen Kultus­gemeinde. In allen Büros wird darüber gesprochen, wie sich der Krieg für uns Juden auswirken werde. Die Klu­gen zucken die Achseln und raten zu Ruhe und möglichst unauffälligem Benehmen nach außen, die Aengstlichen, der junge Fritz A. an der Spitze, der mir dadurch nicht sympathischer geworden ist, prophezeien baldiges Erschie­Ben aller Juden, wenigstens der männlichen. Herr Rat sagte mir nur in seiner gütigen, ruhevollen Art: ,, Wir wol­len dankbar und zufrieden sein, daß wir arbeiten können. Wir wollen diese Arbeit mit dem Einsatz unserer ganzen Kraft für alle Bedrückten und Leidenden tun, und deren gibt's ja, weiß Gott , genug. Es ist schon jetzt so- und die Entwicklung wird in diesem Sinne immer weiter gehen

daß die Fürsorgetätigkeit, die früher der an Umfang und Ausgaben kleinste aller Verwaltungszweige der Jüdi­schen Gemeinde in München war, nun den ersten Platz in jeder Beziehung einnimmt." Ich bin froh, unter und mit ihm zu arbeiten.

Ich werde täglich mit dem Postauto um sieben Uhr in die Stadt fahren und mit dem gegen achtzehn Uhr abfahren­

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