lichen Hauswirt, einem Münchner , wollen wir vorschlagen, Tilla als Hauptmieterin in unseren Mietsvertrag eintreten zu lassen. Ich selber werde mich vom 1. September ab wieder völlig der Münchner Jüdischen Gemeinde als Fürsorgerin zur Verfügung stellen, wie ich das schon nach den schlimmen Novembertagen 1938 bis Anfang März dieses Jahres getan hatte, da ich unseren Haushalt auflösen und die Sachen der beiden Kinder für die Ausreise richten mußte. Durch besondere Aufgaben, wie zum Beispiel den wöchentlichen Kindertransport von München nach Frank furt , hatte ich die Verbindung ständig aufrechterhalten.
' Tilla wollte unseren kleinen Haushalt führen. Wir besprachen manche Veränderung in den Zimmern, um sie freundlicher zu gestalten. Bis jetzt hatten wir ja unser Leben darin nur als ein Provisorium angesehen, für das es nicht lohnte, die Wohnung nach unserem Geschmack einzurichten. Wir würden es schon fertigbringen, in diesem Häuschen zu überwintern, das ursprünglich nur für kurzen Sommeraufenthalt gebaut worden war. Uebrigens hat es mir wohlgetan, im Dorf deutlich die Sympathien für uns und unser Schicksal zu spüren, als ich am Tag nach Deiner Abreise bei den verschiedenen Leuten Deine Abschiedsgrüße bestellte.
Es herrscht große Aufregung über die Einführung der Lebensmittelkarten. Frau L., die Kaufmannsfrau, stöhnt über die Mehrarbeit in ihrem Laden, und wer noch am Ausbruch des Krieges zweifelte, ist nun davon überzeugt. Die Rationen sind ausreichend, man merkt, wie lange und gut alles darauf Bezügliche vorbereitet wurde.
Leb' wohl für heute, ich habe lange mit Dir geplaudert! Morgen fahre ich in die Stadt, um mich für die Arbeit vom 1. September an anzumelden und mit Herrn Rat, dem Leiter der jüdischen Kultusgemeinde, zu besprechen, wo er mich einsetzen will.
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