dabei drückte er erst Dir und dann mir die Hand, und wirklich, es kam wie ein Gefühl des Trostes über uns beide nach dieser rührend menschlichen Geste. Lieber, guter Münchner Gepäckträger, ich werde Dich wohl kaum aufsuchen, aber ich werde in schweren Augenblicken an Dich denken und Trost schöpfen aus Deinen freundlich- guten Worten uns Fremden gegenüber!
Dann standen wir auf dem Bahnsteig, und Du stiegst in den übervollen Zug nach Holland, in dem kein Sitzplatz mehr zu finden war. Höchste Zeit, es langte kaum noch zu einer schnellen Umarmung und einigen Abschiedswor- ten, und schon setzte sich der riesige eiserne Wurm mit seiner Menschenfracht in Bewegung. Ich sah ihm lange nach, das Herz übervoll von guten Wünschen. Dann wandte ich mich, um den Heimweg anzutreten, allein, ganz allein!— Der gute Herr P. wartete vor dem Bahnhof in seinem Auto auf mich. Das Gewitter war vorbei, gleich- töniger Regen rauschte herab. Ich saß in meiner Wagen- ecke und ließ die Tränen fließen. Jetzt brauchte ich mich nicht mehr zusammenzunehmen! Herrn P. war der Ab- schied auch nahe gegangen, er machte seinen Gefühlen gegen die bösen Gewalten, die uns trieben, in ständigem Vorsichhinschimpfen in herzhaften, gut bayrischen Kern- ausdrücken kräftig Luft. Als wir vor dem Gartentürchen hielten, half er mir beim Aussteigen und verabschiedete sich mit den Worten:„Gell, Frau Doktor, wann’s irgend- was brauchen, wenden’s Eahna an mich, und daß Sie im Winter genug Holz und Kohlen ham, dafür steh’ ich Eahna!“
Am nächsten Tag besprach ich mit Tilla, wie wir un- seren Haushalt einrichten wollten. Wie gut, daß sie völlig frei war! Die Kinder, die sie unterrichtet hatte, waren in die Schule gekommen, und sie selbst war auf der Suche nach einer neuen Arbeit gewesen. Wir hofften, es würden sich allmählich auch hier Stunden für sie finden. Zunächst aber können wir das ruhig abwarten. Unserem freund-
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