schaft zu finden; an Hanna, die Sechzehnjährige, die als ,, Lehrling" in einem englischen Haushalt war, wo es ihr zwar sehr gut ging, wo sie aber nicht lange bleiben konnte, weil der Haushalt aufgelöst werden sollte. Noch immer zögertest Du, da trat Tilla entschlossen vor Dich hin und sagte: ,, Ich verspreche Ihnen fest, Herr Doktor, daß ich bei Ihrer Frau bleiben und sie nicht verlassen werde, bis sie Ihnen nachreisen kann." Das gab den Ausschlag, und nun hieß es, in Windeseile alles vorbereiten, damit Du noch am gleichen Abend reisen konntest. Du fuhrst in die Stadt, um das Visum zu holen, Geld abzuheben und die nötigen Formalitäten auf der Devisenstelle und der Polizei zu erledigen. Um zwei Uhr versprachest Du wieder daheim zu sein. Tilla und ich entfalteten nun eine fieberhafte Tätigkeit. Ich lief schnell zur Nachbarin im großen Hause, um ihr, die uns befreundet war, Deinen Entschluß mitzuteilen. Sie bot sofort ihre Hilfe an und lud uns zum Essen ein, was dankbar angenommen wurde. Dann ging ich zu unserem Kohlenhändler. Er ließ sich bewegen, uns am Nachmittag mit seinem Auto, das er für solche Zwecke hatte, in den nächsten Marktflecken zum Zollinspektor zu fahren, der das Handgepäck durchsehen und siegeln mußte. Anschließend wollten wir mit seinem Wagen nach Mün chen zum Bahnhof. Er versprach, uns pünktlich abzuholen. Dann ging es an ein Waschen und Bügeln, Packen und Listenmachen von allen verpackten Gegenständen. Mittendrin erschien eine befreundete Malerin, um mir mitzuteilen, daß die beiden jungen Engländerinnen, die bei ihrer Schwester in Pension waren, vom englischen Konsulat telephonisch den Befehl erhalten hatten, noch am gleichen Abend nach Hause zu fahren; ein Zeichen mehr für mich, daß Eile geboten war!
Alles ging programmgemäß. Du kamst pünktlich zurück und berichtetest, daß heute die letzten englischen Visen ausgegeben worden waren, das Konsulatspersonal rüste sich zur Abreise. Bei dem Zollinspektor hatten wir uns
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