Permits für uns beide gekommen waren, die uns die Quäker in England zugesagt hatten, ob noch englische Visen ausgegeben würden, ob wir noch alle Formalitäten würden regeln können?
Wie immer war die kleine freundliche Sekretärin aus der Münchner Jüdischen Gemeinde am Bahnhof. Schnell hatte ich meinen Bericht erstattet, den sie am nächsten Morgen der leitenden Fürsorgerin weitergab, die die Kinderverschickung leitete. Bis zur Abfahrt meines Postautos ins Isartal war noch eine Stunde Zeit, die ich benutzte, um etwas zu essen. Emmy K. leistete mir auch heute dabei Gesellschaft.- ,, Ich soll Ihnen von Ihrem Mann bestellen, daß nur sein Permit gekommen ist." Ich erschrak. Würde es mir gelingen, Dich zur Abreise ohne mich zu bewegen? Schon in diesem Augenblick war mir gewiß, daß mein Permit nicht mehr zur rechten Zeit kommen. würde. Aber ich mußte erreichen, daß Du diese letzte und einzige Gelegenheit benutztest, um dem schrecklichen Geschick zu entgehen, das ganz sicher in einem Krieg die deutschen Juden treffen würde. Ich mußte Dich anflehen, der Kinder wegen zu gehen, die doch noch so jung waren, wenn mir auch klar war, daß sie sich selber weiterhelfen würden, wenn es nötig wäre. Aber Du warst gefährdet, weit mehr als sie! Ich weiß, daß ich eine stumme geistesabwesende Gesellschaft gewesen bin, aber ich weiß auch, daß Emmy gut verstanden hat, was mich bewegte. Sie brachte mich noch bis ans Postauto. Ich atmete auf, es waren keine Bekannten da, ich hatte Ruhe, meinen Gedanken nachzuhängen. Wie konnten wir auch glauben, daß unsere beiden Permits zusammen eintreffen würden! Du mußtest ja ein Garantiepermit haben, weil Dir als Mann das Arbeiten drüben untersagt war, aber ich durfte eine Haushaltsstelle annehmen und verdienen und auf diese Weise nicht nur mich erhalten, sondern vielleicht auch zu Deinem Unterhalt beitragen. Selbstverständlich aber wurden diese Haushaltpermits an einer anderen Stelle bear
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