Mädchen die Erlaubnis, und nun ging ein eifriges Flüstern, Beraten und Bestellen an. Bald kamen sie mit den ge­wünschten Süßigkeiten zurück. Alle scharten sich um mich, und Hanni überreichte mir strahlend, aber ein bißchen ver­legen, eine Packung guten Keks: ,, Weil Sie so lieb zu uns sind!" Am Bahnhof wickelte sich alles glatt und schnell ab. Die ,, Bayern" kamen als erste dran. Die Papiere der Kinder wurden genau geprüft und der neuen Begleiterin übergeben, wir gingen auf den Bahnsteig, und nach eini­gem Warten fanden alle Kinder ihre Plätze in den dafür reservierten Wagen. Erst die Trennung von mir, die sie doch kaum gekannt hatten, brachte ihnen zum Bewußt­sein, daß es nun endgültig galt, Abschied zu nehmen vom bisherigen Leben, daß sie nun die Reise ins Unbekannte antraten und nicht nur Unangenehmes und Böses wie Rosi hinter sich ließen. Aber tapfer unterdrückten sie die auf­steigenden Tränen, und bald verließ der Zug die Halle.

Ich hatte Eile. Mein Zug nach München ging in einigen Minuten, und ich mußte noch einmal ganz nach vorn, um auf den anderen Bahnsteig zu gelangen. Am Bahnhofsge­bäude war ein Anschlag, vor dem sich die Menschen drängten: Neue Greuelberichte aus Polen über Missetaten, die die Deutschen erdulden mußten. Täglich fanden sich ähnliche Nachrichten in den Zeitungen, und doch- wie­viel drohender klangen sie heute, wieviel aufreizender als je vorher! Es durchzuckte mich: Das ist der Krieg! Und die Gesichter der umstehenden Menschen spiegelten den gleichen Gedanken; wie eine schwere Last schien er sich auf ihre Schultern zu senken; Sorge, ja Angst zeigte sich auf ihren Zügen. Doch ich hatte ja keine Zeit, schnell, nur schnell nach Hause! Und ich lief und sprang in den Zug, der sich gleich darauf in Bewegung setzte. Auf der Fahrt habe ich nicht viel gesehen, die Müdigkeit überwäl­tigte mich, ich habe fast die ganze Zeit bis zur Ankunft in München verschlafen. Aber nun stürmten die Gedanken an das, was kommen würde, erneut auf mich ein. Ob die

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