beobachten können. Gern bestätigte ich es ihm. Ich wies zugleich darauf
hin, wie seine menschliche Art angenehm von den anderen Polizeileuten abstach.
„Achtung, dort kommt O!“, sagte er jetzt, als der Verhaßte am anderen Ende des Flurs auftauchte. Und sichtlich rückte er von mir ab, bis der Unmensch vorüber war. Auch er fürchtete ihn also, wagte nicht, sich im vertrauten Gespräch mit mir zu zeigen. Mehr als anderswo unter Kollegen wird wohl hier einer der Teufel des anderen sein.
Schweigend ging O. an uns vorüber, in seiner charakteristischen Haltung, die an eine geduckte, schleichende Bestie erinnerte. Hoffentlich ist es mir gelungen, mit dem Blick, den ich ihm jetzt zuwarf, zu zeigen, wie sehr ich ihn verachte.
Wir sprachen dann über ihn. Der Wachtmeister suchte ihn zu verteidigen. Er sei durch den jahrelangen Dienst hier im Gefängnis so geworden. Aber das eigene Wesen und freundliche Gebaren dieses Wachtmeisters entkräftete seine Worte und klagte O. an. Ein Mensch wird auch in dieser Umgebung nicht zur Bestie, wenn er es nicht schon ist.
Endlich erhielt ich meine Sachen. Es stimmte auf den Pfennig. Ich konnte gehen. Keine Minute länger in diesem Hause!„Auf Wiedersehen, aber nicht hier“, sagte ich auch zu diesem Wachtmeister, wie ich es drüben bei der Gestapo zu B. gesagt hatte. Dann schlug die schwere Gittertür des Raubtierkäfigs hinter mir zu.—
Jetzt schnell zum Fernsprecher, die Frau anrufen. Ich hatte ja wieder Geld bei mir.— Ein Ausruf freudiger Überraschung am anderen Ende der Leitung.—„Jawohl, ich bin es selbst, bin frei. Mit dem nächsten Zug komme ich. Mache inzwischen bitte Badewasser warm; das wird noch
nötiger sein, als essen.“
142


