SCHLUSSBETRACHTUNG
Den dringenden Rat von B., meine Schreibereien zu lassen, konnte ich nicht erfüllen. Es trieb mich, das Erlebnis dieser fünfzehn Tage sogleich nach meiner Entlassung niederzuschreiben, bevor Vieles meinem Gedächtnis entschwand. Heimlich, bei verschlossenen Türen, schrieb meine Frau diese Blätter mit der Maschine. Gar manchmal tauchte dabei im Geist vor mir das drohende strenge Gesicht von B. auf, wie ich es von den ersten Vernehmungen her in Erinnerung hatte.
Allein ich habe gelernt und bin vorsichtig geworden. Zettelnotizen trage ich nicht mehr bei mir; und für diese Manuskript- Blätter habe ich ein so gutes Versteck, daß sie die Herren Kriminalisten auch bei einer etwaigen Haussuchung schwerlich finden werden.-
,, Hebe den klagenden Ruf! Doch es siege das Gute!" So ließ vor zweieinhalb Jahrtausenden Äschylos die Stimme des Menschheitsgewissens ausrufen. In den unvergänglichen Dichtungen aller Zeiten und Völker finden wir diesen Ausspruch bewußt oder unbewußt als Leitgedanken.
Es freut mich, daß jenes Wort des Äschylos auch über diesem Erlebnisbericht als Motto stehen könnte. Ich mußte hier nicht nur anklagen; die geschilderten Tatsachen stillen auch das Verlangen nach dem Sieg des Guten, das in jedem unverdorbenen Herzen schlummert.
Möge dieser Bericht den Leser nachdenklich machen und ihn erkennen lassen, was in unserem deutschen Vaterlande nowendig ist. Es geht heute nicht so sehr um Hab und Gut, wie um die inneren Werte, um edle Menschlichkeit, die unser Volk gestehen wir es nur offen und reumütig ein in seinem blinden Verlangen nach Raum, nach politischer Weltgeltung und noch besseren Lebensbedingungen vielfach miẞachtet hat.
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Nicht ein Kampf Völker gegen Völker, Rassen gegen Rassen, Parteien gegen Parteien, Klassen gegen Klassen und Organisationen gegen Organisationen bringt uns ein besseres Dasein und hat im Sinne einer Höherentwicklung der Menschheit Wert und Berechtigung, sondern allein der Kampf der Guten gegen die Bösen. Wenn auch die Begriffe Gut und Böse
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