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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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aus der sie die braune Brühe schlürften. Man hätte meinen können, weit weg von unserer deutschen Heimat, irgendwo unter Goldgräbern oder an­deren Abenteurern zu sein, aber nicht am Stadtrand von Stuttgart .

Einige hatten vom Morgen her noch etwas trockenes Brot bei sich. Die meisten aber konnten sich den Magen lediglich mit dem warmen kaffeeähn­lichen Getränk füllen. Ich selbst hatte, durch die früheren Erfahrungen ge­witzigt, rechtzeitig den Rest der Brote, die meine Frau am Tage vorher ge­bracht hatte, eingesteckt.

Daran war ich sehr froh. Hier draußen in der frischen Winterluft und nach dem Marsch bekam man naturgemäß viel mehr Hunger, als wenn man drin in der Gefängniszelle untätig saß. Es erwies sich noch obendrein zu Mittag, daß das hier warm gemachte Essen ungenießbar war. Man be­kam nämlich auf dem Bauplatz jeweils das Essen, das es am Vortag drinnen im Gefängnis gegeben hatte. In großen Kannen mußten es einige Gefangene jedesmal mit herausschleppen. Nicht selten aber war es, wie auch heute, durch das Stehen über Nacht sauer geworden. Es schmeckte widerlich. Ich bekam nichts hinunter. Trotzdem hatten es viele von den überhungrigen Menschen verschlungen, als wäre es ein Festgericht.

Der Mann, der das Essen hier warm machte und austeilte, war auch ein Deutscher. Ein sympathischer Mensch, dem die Polizeileute hier, als er zum ersten Male auf dem Bauplatz mit anrückte, den Posten des Kochs" zuge­wiesen hatten, damit er auch von der schmutzigen Arbeit verschont blieb. Seine ,, Straftat" bestand darin, daß er in einem Rüstungsbetrieb einmal in etwas angetrunkenem Zustand zur Nachtschicht gekommen war. Die Gestapo hatte zum Glück sein Vergehen nicht so schwerwiegend angesehen, um ihn sechsundfünfzig Tage nach Oberndorf zu schicken. Man hat ihn etwa acht Tage festgehalten und dann wieder laufen lassen.

Am Nachmittag ging es mit dem besten Willen nicht länger, daß wir drei Deutsche mit unserem Besen weiter so taten, als fegten wir den Schnee vom Holzfußboden der Baracke, denn es war längst keiner mehr da. Wir er­hielten deshalb eine neue Arbeit zugewiesen: kleine Fußbodenbrettchen sortieren, die in verschiedenen Größen durcheinander lagen. Leider hatte die Sonne inzwischen den Erdboden aufgeweicht. Es ließ sich deshalb nicht vermeiden, daß unsere Schuhe, Hosenbeine und Mäntel sehr schmutzig wurden. Aber wir konnten ja schließlich nicht die ganze Zeit untätig da­stehen. Es war wirklich noch die geeignetste Arbeit für uns mit der guten

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