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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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haben, weil Rückfragen notwendig waren. Immerhin, einen unangenehmen Eindruck machte er nicht gerade; besser die Gesellschaft als gar keine. Es war auch zu dumm, daß ich am Morgen, als ich wiederum aus der Zelle unerwartet herausgerufen wurde, in der Eile nichts hatte von den Zeitschrif­ten mitnehmen können.

Das Gespräch mit dem Polen war bald erschöpft. Die Zeit verlief lang­sam. Aber es wurde doch endlich zwölf Uhr. Der schwarze Herr mit der Hornbrille, der Empfangschef, öffnete unsere Zelle und die beiden daneben­liegenden. Alles raus!" Es waren immerhin wieder etwa zwölf Personen, die aus den drei Zellen zum Vorschein kamen. ,, Auf gehts!"

Ich wußte nun schon Bescheid und konnte vorangehen: zunächst wieder oben in den mit Anzeigen- Annahme bezeichneten Raum. Umständlich wurden hier wieder die Namen verlesen. Prof. K. fehlte; somit hielt ich es für sicher, daß er entlassen worden war. Wir wurden dann in den draußen bereitstehenden Gefangenenwagen geführt, der mir nun schon innen ebenso­gut bekannt war wie außen.

In unserer Zelle drüben im Gefängnis traf ich Rößler leider nicht mehr an. Der Transport nach Narzweiler war am Morgen abgegangen, bald nachdem man mich herausgerufen hatte. Gern hätte ich ihm zum Abschied noch einmal die Hand gedrückt.

Nun übernahm ich stillschweigend das Amt des Stubenältesten, denn ich war jetzt am längsten hier, wenn man von den Polen absah, die für diesen Posten ausschieden. Es war also jetzt meine Aufgabe, dem Oberleutnant bei seinen täglichen, kurzen Besuchen zu melden, wieviel Gefangene wir in der Zelle waren. Außerdem bestimmte ich jetzt an Stelle von Röẞler abends die Reihenfolge, in der wir uns zum Schlafen nebeneinander legten; und morgens sorgte ich dafür, daß jeweils ein anderer den Fußboden kehrte und aufwischte. Meist übernahm diese Arbeit allerdings der aufmerksame junge Pole, der wegen Zuckerdiebstahl eingesperrt war, freiwillig, besonders für die, bei welchen ab und zu etwas zu Essen abfiel. Weder Jentsch noch ich haben es je selbst gemacht.

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