einmal nicht damit gerechnet. Als ich in den Flur trat, schallte es an einer anderen Zellentür:„ K. raus!" Der Professor also auch.
Vorn, am Eingang des Gefängnisses stand B.„ Gesprochen wird nicht miteinander!", sagte er, als der Wachtmeister uns beide ihm übergab. Wir gingen zu dritt nebeneinander durch die Stadt, B. in der Mitte.
Im Hause der Gestapo hieß mich B. oben im Flur vor seinem Zimmer warten, während er mit Prof. K. hineinging. Dann, nach etwa einer halben Stunde, wurde ich hereingeholt und K. mußte warten. B. wollte von mir noch einige Stellen in meiner Niederschrift mündlich näher erläutert haben. Er machte sich darüber Notizen. Dann hieß er mich in dem Zimmer warten und ging mit den Akten hinaus.
Es dauerte lange, bis er wiederkam. Er forderte mich auf, ihm zu folgen. Wir gingen an Prof. K. vorbei, den Treppengang hinunter. Im Gehen sagte mir B., und ich hatte den Eindruck, er bemühte sich, seiner Stimme einen festen Klang zu geben:„ Also, Herr Schumann, sie bleiben weiter in Haft. Wie lange ist noch unbestimmt."
,, Und Professor K.?"
دو
,, Das ist noch nicht entschieden."
Als er mich drunten in die Zelle schloß, fühlte ich noch einmal deutlich, daß er mich lieber auch freigelassen hätte, wie es meiner Vermutung nach bei Prof. K. der Fall sein würde.
In der mir nun bereits auch schon gut bekannten Zelle, die man im Hause der Gestapo wegen ihrer unterirdischen Anlage Bunker nennt, saß schon einer drin, ein Pole. Große, kräftige Gestalt und gut aussehend. Er sprach ziemlich gut deutsch, so daß ich wenigstens Unterhaltung hatte.
In einem wegen seines guten Weines bekannten württembergischen Ort war er bei einem Landwirt beschäftigt.' ,, Ich bin gefahren ohne alles nach Ludwigsburg ", erklärte er mir auf mein Befragen. Dabei hatte man ihn geschnappt.
,, Sind Sie schon verhört worden?", fragte ich weiter. Er bestätigte es. Und?"
دو
Jetzt wird geschrieben an die Polizei in meinem Heimatort, ob meine Angaben auf Wahrheit beruhen. Bis Antwort kommt, muß ich im Gefängnis bleiben."
-
Ich glaube nicht, daß mir der Pole alles gebeichtet hat. Zumindest wird er in dem Verdacht gestanden haben, noch einiges auf dem Kerbholz zu
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