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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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Als ich dann schrieb, mahnte er nochmals: Nicht so schnell, sonst sind Sie ja zu Mittag fertig. Ich denke aber, es wird Ihnen heute Nachmittag hier lieber sein, als drüben in Ihrer Gefängniszelle."

Nach einiger Zeit kam der Herr herein, der im Zimmer von B. diesem gegenübersaẞ. Freundlich sprach auch er mir zu, ich möge mich nicht be­eilen und alles in Ruhe niederschreiben. Als er wieder draußen war, er­zählte mir Sch., dieser Herr, namens J., sei vorhin noch während meiner Vernehmung bei ihm gewesen und habe gesagt: ,,, Der Schumann hat Cha­rakter, er verrät keinen."

Auch auf die Gefahr hin, daß mir die Wiedergabe dieser Bemerkung als selbstgefälliges Eigenlob ausgelegt wird, möchte ich sie nicht weglassen, denn sie ehrt wohl weit mehr den betreffenden Gestapo - Beamten als mich. Ist es nicht eine Freude, festzustellen, daß es selbst bei einer solchen, mit Recht berüchtigten und gefürchteten Institution, wie es die Gestapo ist, Menschen gibt, die das Herz auf dem rechten Fleck haben! Sie sind natür­lich als Beamte besonders scharf eingespannt in dieses fürchterliche, grau­same System, das keine Geistesfreiheit zuläßt. Es bleibt ihnen nichts an­deres übrig, als mehr oder weniger heuchlerisch mitzutun. Sicher bespitzelt einer den anderen, und jeder läuft Gefahr, bei einer unvorsichtigen Bemer­kung oder Handlung selbst eingesperrt zu werden.

Deshalb zog ich es auch vor, mit Sch. nicht über das zu sprechen, was ich niederschrieb. Er selbst fragte nicht danach, so daß ich annahm, es sei ihm recht, wenn ich ihn aus der Sache heraushalte. Es war nun einmal eine sehr gewagte Verteidigung, die ich da vorhatte. Doch mir blieb keine andere Wahl. Durch die Aufzeichnungen war meine Gesinnung", wie sich B. aus­drückte, eindeutig festgelegt. Wenn ich mich noch retten konnte, dann nur, indem ich offen darlegte, warum ich zu solchen Ansichten gekommen bin, und daß meine Gesinnung in rein menschlichem Sinne nicht zu verwerfen ist. Es ging zwar nicht um mein Leben, aber immerhin um einige Monate Ge­fängnis oder Konzentrationslager. Auf jeden Fall mußte ich anstreben, daß die Sache nicht vor ein Sondergericht kam, sondern im Hause erledigt wurde.

Die Erfahrungen, die ich heute mit B. gemacht hatte und vor allem die Aussicht auf Fürsprache durch Sch. gaben mir Hoffnung. So schrieb ich nieder, was ich auf dem Herzen hatte. Offen legte ich dar, warum ich nicht in die NSDAP . eingetreten bin, obwohl man es mir bei der Macht­übernahme und auch später von verschiedenen Seiten, aus geschäftlichen

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