Ohren wurden uns nicht zugebunden, und so konnte man es auch nicht verhindern, daß ich mir über jeden Herren meine Gedanken machte. Ach, man muß gerecht sein: mancher von diesen Männern sah sympathisch aus. Er wollte sicherlich damals von ganzem Herzen das Gute, als er sich Adolf Hitler mit Leib und Seele verschrieb. In seiner jugendlichen Unreife hat er sich von den großen vaterländischen Worten berauschen lassen, war begeistert von der bestechenden Idee, einen sozial gerechten Staat auf nationaler Grundlage mit aufbauen zu dürfen. Vermutlich war es diesem und jenem vor der Machtergreifung wirtschaftlich schlecht ergangen, als Arbeitnehmer abgebaut, als selbständiger Berufstätiger gescheitert; freudig griffen sie als alte SS - Leute mit beiden Händen nach der Gelegenheit, Staatsbeamte werden zu können, einen Posten bei der allgewaltigen Gestapo zu bekommen. Zu spät erkannten sie dann mit Schaudern( mancher allerdings bis heute noch nicht), daß dieser Weg der brutalen Gewalt, der himmelschreienden Ungerechtigkeiten und barbarischen Unmenschlichkeiten niemals zu etwas Gutem führen kann. Doch sie konnten nicht mehr zurück, hatten Adolf Hitler Gehorsam bis in den Tod geschworen und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als mit den Wölfen zu heulen.
Freilich, bei einigen dieser Beamten sieht man an dem brutalen Gesicht, daß sie sich hier in ihrem Element fühlen wie ein waschechter, altpreußischer Feldwebel auf dem Kasernenhof oder wie die Gefangenenwärter drüben im Gefängnis. Da sie mit Geistesgaben nicht aufwarten können, ist es ihnen besondere Freude, über andere Menschen Macht und Gewalt zu haben, und sie sind erst dann richtig befriedigt, wenn sie ihre Macht den Untergebenen rücksichtslos fühlen lassen können.
So holten sich hier einige Beamten ihre Gefangenen mit rohen oder spöttischen Worten weg; zuweilen halfen sie mit einem Rippenstoß nach, wenn die Betreffenden nicht gleich verstanden.
Schließlich blieb ich allein übrig. Es war mir lieb, daß man mich länger warten ließ; so konnte ich mich von der Schreckensfahrt wieder erholen und beruhigen, bis das hochnotpeinliche Verhör begann.
Als dann endlich das bekannte Gesicht von B. an der Tür erschien, konnte ich feststellen, daß ein guter Stern gerade diesen Mann meinen Fall bearbeiten ließ, denn von allen Gestapo - Beamten, die ich jetzt gesehen hatte, machte er schon äußerlich rein als Mensch auf mich den besten Eindruck. Mein Gefühl täuscht mich in solchen Fällen kaum. Ich ließ mich in meinem
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