einigt Euch!, wird es wohl nicht mehr bedürfen; der deutsche National sozialismus hat sie vereinigt gegen sich.
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Denn diese Ausländer hier waren fast alle ebensowenig Verbrecher, wie ich einer bin. Sie haben sich meist nur gegen den deutschen Arbeitszwang vergangen. In ihrem Lande kannten sie den Arbeitszwang nicht.
Achtunddreißig Mann waren wir. Wahrscheinlich ging es zur Gestapo zum Vernehmen. Nachdem der Wachtmeister mit mühseligem Buchstabieren der fremdländischen Namen festgestellt hatte, daß alle, die auf der Liste standen, herbeigeholt waren, wurden wir in eine besondere Zelle geschoben. Sie war kaum groß genug, daß alle darin eng aneinander stehen konnten. Jeder bekam beim Eintreten die übliche Morgenportion, eine Schüssel mit lauwarmer, brauner Kaffeebrühe und ein Stück Brot. Wie er es fertig brachte, bei dem engen Aneinanderstehen Flüssigkeit und Brot zu sich zu nehmen, war seine Angelegenheit.
In einer Ecke, nicht allzuweit von mir, hörte ich, wie sich zwei Deutsche , die mir schon durch ihre bessere Kleidung aufgefallen waren, über ihre Zellengenossen unterhielten, wobei der Name von Prof. K. fiel. Sofort arbeitete ich mich zu ihnen hin; wir machten uns bekannt. Der eine, er soll hier Taube genannt werden, hatte ein Geschäft, nicht weit von diesem Gefängnis entfernt. Vor einigen Tagen hatte man ihn festgenommen, weil er einen geharnischten Brief an die HJ. geschrieben hatte, worin unter anderem der Ausdruck ,, Soldätlesspielen" vorkam.
Der andere Deutsche hatte es seiner Frau zu verdanken, daß er im Gefängnis saß. Zehn Jahre lebte er, wie er sagte, in unglücklicher Ehe. Jetzt hatte er sich dazu durchgerungen, dem Zank und Streit ein Ende zu machen und sich scheiden zu lassen. Daraufhin hat dieses edle Weib ihn bei der Gestapo angezeigt: er drücke sich von der Arbeit und sei auch politisch nicht einwandfrei. Ohne lange zu fragen, hat man ihn zunächst einmal hier zur Untersuchung eingesperrt, anstatt, wie es wohl richtiger gewesen wäre, die Frau zu holen.
Diese beiden Herren waren tatsächlich in der gleichen Zelle wie Prof. K. untergebracht. So konnte ich Grüße an ihn bestellen und sagen lassen, daß seine Sache recht gut stehe, soweit ich sie beurteilen könne. Alle drei lächelten wir kopfschüttelnd über die unüberlegte Handlungsweise dieser erstklassigen Polizei. Da wird streng darauf gesehen, daß Gefangene der verschiedenen Zellen nicht durch Klopfzeichen miteinander in Verbindung treten,
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