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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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da wird einem sofort mit dem Schlüsselbund in das Gesicht geschlagen, wenn einer im Flur mit seinem Nachbar spricht, und hier sperrt man alle miteinander in eine Zelle, wo sie sich in Ruhe alles Wichtige sagen können. Es wäre mir auch ohne weiteres möglich gewesen, Prof. K. eine schriftliche Mitteilung zukommen zu lassen, falls sich das als nötig erwiesen hätte, da ich Bleistift und Papier bei mir hatte. So blind arbeiten diese Polizeibeam­ten vor lauter eingedrilltem Eifer, ihren vorgeschriebenen Dienst pünktlich und ordnungsgemäß zu verrichten. Wenn sie nur brutal und rücksichtslos mit den Gefangenen umgehen, das scheint hier die Hauptsache zu sein.

Wie rücksichtslos sie sein können, das sollten wir bald darauf wieder ein­mal erleben. Wir achtunddreißig Mann und vor uns noch eine Gruppe weibliche Gefangene wurden unter strenger Aufsicht die Treppe hinunter­geführt. Im Hof stand ein Gefangenenwagen. Zunächst mußten die Frauen vorn das kleine Sonderabteil besteigen. Als der Polizist, der den Kraftwagen führte, hörte, wieviel wir waren, blickte er unseren Begleiter, den Wacht­meister O., lächelnd an, als wollte er damit ausdrücken: ein bißchen reich­lich viel, aber wir werden sie schon hineinkriegen.

Es war grausam, wie wir in dem Wagen zusammengepfercht wurden. Da es bei der deutschen Polizei das Wort es geht nicht" wahrscheinlich eben­sowenig gibt, wie beim deutschen Militär, so mußte es eben gehen. Ich kam mit als einer der ersten hinein und erwischte hinten an der Wand auf einer querliegenden, eisernen Gasflasche noch einen Sitzplatz. Im nächsten Augenblick aber schon war es mir unmöglich, mich zu bewegen. Die hinter mir waren mit Gewalt eng an mich gepreßt, alle in schräg nach vorn ge­krümmter Haltung, weil über unseren Sitzplätzen zunächst eine gewisse Leere entstanden war. Manche lagen mehr über uns, als daß sie standen, einige schwebten, zwischen anderen eingekeilt, wohl überhaupt mit den Füßen in der Luft. Dazu völlige Dunkelheit in dem Wagen, denn die sieb­artig durchlöcherten kleinen Bleche an der Seite, durch die etwas Licht und Luft hereinkommen sollte, wurden von den eng angepreßten Menschenkör­pern unvermeidlich zugehalten.

Wenn da die Polizei dahinter kommt! mußte ich bei dieser unmensch­lichen Verfrachtung mit grimmigem Hohn wieder einmal denken. Aus­sprechen konnte ich es nicht; es sprach bei dem Mangel an Sauerstoff keiner. Man hörte nur Stöhnen und Keuchen.

Was ich als Soldat im Felde nicht kennen gelernt hatte, hier während die­

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