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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
Seite
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Und nun saß dieser gepflegte Mensch in seiner vornehmen Kleidung und mit dem feinen Parfüm, das er an sich hatte, in unserer düsteren, stinkigen Zelle, inmitten schlecht gekleideter struppiger Gestalten, ungewiß über das, was ihm bevorstand. Eines erkannte er bald: diese Verbrecher" hier, die mit Ausdrücken des Mitgefühls und aufrichtiger Teilnahme seinem Bericht folgten, waren bessere Menschen als jene Herren bei der Gestapo . Der an­fängliche Schreck und das Grauen wichen von ihm; er ward immer aufge­schlossener zu uns. Doch wehmütig blickte er von Zeit zu Zeit zu dem klei­nen, vergitterten Fenster empor. Ich kann es noch immer nicht fassen, daß ich im Gefängnis bin; mir kommt alles vor, wie ein böser Traum", sagte er zu mir, und seine Tränen flossen dabei von neuem.

Seine größte Angst war, daß er entmündigt und der Staat sein Vermögen kassieren würde. Aber auch vor der zwangsweisen Unterbringung in eine Anstalt fürchtete er sich sehr. Immer wieder sprach er mit uns darüber; seine Gedanken kamen nicht davon los. Obwohl wir alle unser möglichstes versuchten, gelang es uns nicht, diesen verängstigten, gebrochenen Menschen auf die Dauer zu beruhigen und ihm einigermaßen Mut zu machen. Unser Hauptargument war, daß es der Tante draußen schon gelingen werde, von dem bekannten und angesehenen Professor W., der Jentsch ja von früheren Untersuchungen her kannte, ein Gutachten zu erlangen, nach dem ihn die Gestapo freilassen muß ohne daß er entmündigt wird.

Eine böse Sache war es freilich; das sagten wir uns alle im Stillen. Es kann gut sein, daß die Gestapo nach keinem Professor draußen fragt, son­dern allein den Gerichtsarzt entscheiden läßt. Und der SS - Arzt, der die Gefangenen hier untersucht, soll gleich jenen Militärärzten sein, die einen Menschen erst dann für dienst- oder arbeitsunfähig erklären, wenn auch der simpelste Laie merkt, daß der Betreffende halbtot ist. Für seelische Leiden und Empfindungen haben solche Herren meist kein Verständnis. Es ist ja auch unbequem und umständlich, sich auf langwierige psychologische Untersuchungen einzulassen. Herz und Lunge, Magen und Darm wie auch alle anderen Organe sind bei diesem Herrn Jentsch ja in Ordnung, ebenso Glieder und Muskeln, und da er auch nicht den Eindruck eines Geistesge­störten macht, ist so denken diese Herren nicht einzusehen, warum er arbeitsunfähig sein soll. Also ein Drückeberger, der bestraft gehört, weil er sich der gesetzlichen Arbeitspflicht entzogen hat. Straferschwerend kom­men im vorliegenden Falle noch die abfälligen Bemerkungen hinzu, die

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