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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
Seite
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Stellen in den Rhein streuen ließen, damit selbst am jüngsten Tag keine Auf­erstehung mehr möglich ist dieses Buch wird hier von Polizeibeamten einem Gefangenen zur Lektüre gegeben!

Röẞler machte sich nichts aus dem Buch und ließ es mir gern zum Lesen. Wenn ich auch mit so manchen Ausführungen des Verfassers nicht einig ging, so war ich doch erfreut, hier eine solche selten gewordene Lektüre zu haben. Das Buch gab durch Zitieren vieler Äußerungen von Literaturpro­fessoren jener Zeit ein anschauliches Bild über die damalige Einstellung weiter Kreise zum Judentum, die sich inzwischen durch staatlichen Zwang und einseitige Propaganda so gewaltig geändert hat.

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So ging der Samstag ruhig und angenehm zu Ende. Die drei Polen kamen heute auch etwas früher von der Arbeit zurück. Zum Nachtessen gab es diesmal sogar Brot und Wurst, allerdings von beiden wieder so wenig, daß kein Mensch davon satt werden konnte.

Für die Nacht kündigte Rößler auf Grund seiner Erfahrungen noch Zu­gang an: Samstag kommt gegen neun Uhr ein Transport von Oberndorf. Er bringt die aus dem Arbeitslager zurück, die ihre 56 Straftage hinter sich haben. Außerdem werden in der Nacht zum Sonntag meist noch Betrun­kene eingeliefert.

Und richtig, ich hatte schon etwas geschlafen, als wir durch das offene Fenster unten das Gefangenen- Auto vorfahren hörten. Der Transport von Oberndorf kommt", erklärte Rößler. Bald darauf wurde es im Flur draußen lebhaft. Lautes Schimpfen und Schreien der Wachmannschaften, und da­zwischen immer wieder das Klatschen von Schlägen. Da patscht es wieder ordentlich", sagte Rößler, das ist jeden Samstag abend das gleiche. An den armen Kerlen lassen die Polizeibeamten ihren Zorn aus, weil sie jetzt abends so spät noch arbeiten müssen."

Peinlich wurde ich an die Jugendgeschichten von den Sklaventransporter. früher in Afrika erinnert. Ganz ähnlich stellte ich es mir jetzt da draußen im Flur vor, als die verschiedenen Namen, meist fremdländische, aufgerufen wurden. Was tut es, daß die Sklavenhändler damals mit einer Nilpferd­peitsche zuschlugen und die Wärter hier nur mit der Hand und dem Schlüsselbund. Dafür sind ja diese Gefangenen auch Europäer, oft sogar sehr gebildete, die lediglich wegen Arbeitsvergehen nach Oberndorf ge­schickt wurden, während jene Schwarzen noch Halbwilde waren. Und viel liebloser werden die Aufseher damals kaum zu ihren Sklaven gewesen sein,

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