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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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ich ein Polizeigefangener war. Ich befürchtete nur, daß uns ein Bekannter von mir begegnete, der mich ansprechen könnte.

Die frische Luft und das Laufen taten mir gut. Es war doch eine ver­teufelte Sache, untätig in der stinkigen Zelle dort oben festgehalten zu sein. Erst hier auf der Straße, wo ringsum Freiheit war, empfand ich es ganz. Dabei war ich erst 24 Stunden im Gefängnis. Andere schmachteten dort seit Wochen und Monaten.

,, Darf ich Ihren Namen erfahren, damit ich weiß, mit wem ich es zu tun habe?", unterbrach ich nach einiger Zeit das Schweigen.

" Ja." Er nannte mir seinen Namen: B..."

,, Muß ich in der Anrede einen Titel gebrauchen?" ,, Nein, es ist nicht erforderlich."

Das war unsere ganze Unterhaltung auf dem Wege zum Gebäude der Gestapo . Dort führte er mich wieder in den vierten Stock hinauf in sein Zimmer. Der Herr, der gestern an dem anderen der beiden gegeneinander­gestellten Schreibtische saß, war wieder anwesend. Er schrieb und nahm auch heute von mir keine Notiz, hatte also offenbar mit meiner Sache nichts zu tun.

Wir setzten uns. Das Verhör begann. So sehr B. auch durch ausgeklü­gelte Fragen mich zu erforschen suchte, es führte zu keinem anderen Ergeb­nis als am Tage vorher. Ja, ich gewann durch diese Fragen mehr als er; denn ich merkte daraus, wie dünn und haltlos das Anklagematerial war. Prof. K. sollte mir unter anderem etwas von dem Kuban- Brückenkopf ge­sagt haben; daß er geräumt werden müsse.

,, Das mag durchaus zutreffen", gab ich zu, obwohl ich mich heute nicht mehr daran erinnern kann. Es liegt ja auch schon Wochen zurück, daß der Kuban- Brückenkopf geräumt worden ist. Warum soll Prof. K. diese Nach­richt von einem ausländischen Sender gehört haben; es war ja die Wahr­heit?".

,, Aber von deutscher Seite ist sie erst später bekannt gegeben worden", er­widerte er heftig.

,, Das konnte ich nicht verfolgen. Wie Sie wissen, ist mein Rundfunkge­rät defekt und die Zeitungsnachrichten erhalten wir in unserer Landge­meinde meist erst einige Tage später. Das ist ja der Grund, weshalb ich mich von Prof. K. täglich über die neuesten Kriegsereignisse unterrichten ließ. Hierauf sagte B.: Den K. haben wir jetzt auch geholt." Es sollte gleich­

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