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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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gültig klingen, wie eine unbedeutende beiläufige Bemerkung. Er sah mich dabei aber forschend an, um zu sehen, wie ich darauf reagiere.

,, Also", erwiderte ich, da können Sie ihn ja fragen. Der weiß, woher er die Nachrichten hat; ich weiß es nicht; ich war nicht dabei, als er seinen Radio- Apparat einstellte. Ich kann Ihnen nur sagen, was er mir am Fern­sprecher gesagt hat: Nachrichten, die auch in der Zeitung standen."

Während des Verhörs hatte sich B. dauernd mit Bleistift Notizen gemacht. ,, Und nun zu Ihren Zetteln!", fuhr er nach einer Pause fort, als er merkte, daß er mit mir in der Rundfunksache zu keinem positiven Ergebnis kam. Dabei nahm er ein neues Blatt Papier zur Hand.

Jetzt wurde es ernster. Ich merkte es daraus, daß er außer meinen Perso­nalien auch meinen Lebenslauf sehr ausführlich aufnahm.

Ob ich mich früher politisch betätigt hätte?- Nein!

Ob ich einer Partei oder irgend einer politischen Organisation angehört habe oder angehöre? Nein!

Hm."

-

Wie ich dann dazu käme, mir solche Sachen aufzuschreiben? Es läge nun einmal in meinem Wesen, so erklärte ich ihm jetzt, mich ge­danklich etwas mehr als die meisten anderen Menschen mit allem zu be­schäftigen, was auf mich eindringt. Er habe in meiner Brieftasche Verse und Notizen aller Art gefunden, die ihm das bestätigen.

Ich sei eine Grübler- Natur. Oft geschähe es, wenn ich ein inhaltreiches Buch lese, daß ich einen Zettel nehme, und mir diese und jene Worte und Sätze daraus aufschriebe. Manchmal mache ich auch eigene gedankliche Be­merkungen dazu. Dies alles geschähe nur, um es mir besser ins Gedächtnis einzuprägen. Nach einiger Zeit würfe ich die Zettel wieder weg. So sei es verständlich, daß ich mir auch beim Lesen der Tageszeitungen und politi­scher Bücher hin und wieder Bemerkungen aufschreibe, die eigenes Gedan­kengut sind.

,, Aus diesen Aufzeichnungen aber erkennt man Ihre Gesinnung!", erwiderte er mir scharf. Was wollen Sie mit dem Spruch sagen:

Lieber das Volk der Dichter und Denker,

anstatt das Volk der Richter und Henker?"

Also das ist es! An diesen Vers hatte ich längst nicht mehr gedacht. Er­schrocken überlegte ich, was ich antworten sollte. Dann sagte ich: Das habe ich niedergeschrieben, weil mir der doppelte Reim gut gefiel."

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