ganz zurecht gefunden: es sah in der Ecke zum Davonlaufen aus und es roch naturgemäß auch so. Hierzu kam, daß der Kübel morgens beim Aufstehen stets übervoll war, aber jeder, den ein Bedürfnis drängte, mußte sich erst selbst davon überzeugen, ehe er es glaubte. So hob alle Augenblicke ein anderer den Deckel vom Kübel; jedesmal stieg ein bestialischer Gestank hoch. Zustände, die ein deutscher PK- Berichter aus dem finstersten Polen mit Vorliebe in den Zeitungen schildern und anprangern würde.
Unterdessen wurden die Matratzen und Decken in die Gestelle verstaut. Rößler, der Häuptling, wachte wieder sehr darauf, daß nichts durcheinander kam. Ob die Läuse und die Tuberkel freilich, wie er es wünchte, in den betreffenden Matratzen und Decken blieben, wo in den Gestellen doch alles eng aneinander lag, das war eine andere Frage.
Anschließend rollten wir die Leinentücher zusammen. Dann nahm jeder die Tuchrolle in die Hand, stand umher und wartete. Endlich ging die Türe auf. Wieder flog im Bogen der Schlüssel herein, mit dem die hochgeklappten Gittergestelle mit den Matratzen und Decken an die Wand geschlossen wurden. Man mußte wirklich froh sein, wenn man den Schlüssel nicht zufällig an den Kopf bekam.„ Kübel raus! Wasserkrug raus!- Leinentücher abgeben!", hieß es gleichzeitig. Schnell wurden die ersten beiden Sachen gereicht. Dann sprang alles hintereinander im Laufschritt den Flur entlang wie am Abend vorher, und jeder legte die Leinentuchrolle in das Wandregal.
دو
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Waschwasser mitnehmen!", hieß es beim Zurückgehen in die Zelle. Ein Kalfaktor hatte inzwischen kleine Blechschüsseln mit Wasser vor die Zellentür gestellt, die jedoch nur viertelvoll waren. Damit wusch sich jeder. Röẞler besaß Seife. Verstohlen lieh er sie mir. Immerhin war es ein Problem, Gesicht und Hände mit so wenig Wasser ohne Lappen zu waschen. Gerade hier aber, bei diesen unhygienischen Verhältnissen, wäre es dringend notwendig gewesen, vor allem die Hände sehr gründlich zu reinigen, waren wir doch beim Essen weitgehend auf die Finger angewiesen, denn Messer und Gabel erhält der Gefangene nicht. Ein Leinentuch, wie wir es die Nacht über zum Draufliegen benutzt hatten, wurde als gemeinsames Handtuch gereicht; jeder rieb sich damit Gesicht und Hände ab. Wieder ging die Tür auf:„ Waschbecken raus! krug rein!
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Handtuch! Wasser
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Kübel rein!", befahl der Wachtmeister jetzt und der neben ihm stehende Kalfaktor nahm die geforderten Sachen in Empfang.
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