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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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dermannes und die Wand des davorstehenden großes Fasses ansieht. Unsere Qual wurde erhöht durch die schlechte Luft in dem Keller. Für Lüftung war anscheinend nicht gesorgt. Das Atmen von zweihundert Menschen ver­brauchte viel Sauerstoff.

Nach etwa einer Stunde schien mir bei dieser Luft das unbewegliche Stehen in meinem schweren Wintermantel kaum mehr erträglich. Doch alle Beschwerden verflogen und meine Last wurde leicht, wenn ich zu dem schwindsüchtigen Lammer sah, der etwas seitlich von mir stand. Der arme Mensch konnte sich nur so helfen, daß er den Kopf in die Mitte der sich fast schließenden Lücke zwischen zwei Fässer hing, und sich mit den Hän­den an die Faßränder rechts und links klammerte. Wie ein Gekreuzigter hing er so mit ausgebreiteten Armen da. Wer aber fragte hier danach, ob der Mann vor Schwäche fast zusammenbrach.

Über zwei Stunden waren wir in diesem Keller. Erlöst atmete alles auf, als das Entwarnungszeichen ertönte. Wieder ging es jetzt truppweise hinauf in die Zellen. An das Schimpfen und die Stöße der Polizeibeamten waren wir jetzt schon gewöhnt.

War die Luft drunten im Keller schlecht und sauerstoffarm, so war sie hier oben in der Zelle schauderhaft, stinkig wie in einem primitiven Klosett­raum. Erst jetzt beim Eintreten von draußen empfand man das ganz.

Diesmal waren wir dem Wachtmeister dankbar, als er das Licht bald ausschaltete, so daß wir das abgedunkelte Fenster wieder öffnen konnten.

Kaum aber lagen wir alle zum ersehnten Schlaf bereit, da wurde draußen erneut eine Zellentür nach der anderen aufgerissen: Luftgefahr!", rief der Wachtmeister abermals herein. Das Herumtappen und Anziehen im Dun­keln begann von vorn.

Ich war erstaunt, wie ruhig und geduldig alle die Aussicht auf sich nah­men, noch einmal stundenlang in dem Keller stehen zu müssen. Gleichgül­tig und still ergeben in ihr Schicksal fügten sich die Gefangenen in das Un­abänderliche. Beim Militär wird in solchen Fällen je nach Veranlagung und Temperament geschimpft und geflucht, daß der Teufel das Grauen kriegen könnte; es war wenigstens bei meiner Kompanie so, die überwiegend aus jungen aktiven Soldaten bestand.

Zum Glück ersparte es uns der Engländer, noch einmal in den Keller zu müssen. ,, Luftgefahr vorbei!", rief der Wachtmeister in die Zelle, nachdem wir glücklich wieder angezogen waren. Wir schliefen endgültig ein.

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