lief durch den ganzen langen Flur. Ganz vorn standen Frauen und junge Mädchen, hinten Polen , Russen und andere Ausländer.
Mit viel Schreien, Schimpfen und Drohen der Aufsichtsbeamten, wobei sich O., der Hyänenmensch, wieder besonders hervortat, ging es in Trupps zu zehn Mann die Treppe hinunter in den Keller. Die einzelnen Trupps wurden regelrecht hinuntergeschleust. Wenn ein Trupp die obere Gittertür verlassen hatte, wurde sie hinter ihm wieder fest verschlossen. Der Treppenaufgang mit den zehn Mann war jetzt oben und unten abgeriegelt, man mußte drunten vor der verschlossenen Tür warten, bis der vorhergehende Trupp über den Flur im Erdgeschoß zur Kellertreppe geführt worden war, wo sich der Vorgang des Schleusens wiederholte. Dabei waren gewiß noch alle Haus- und Hoftore verschlossen und verriegelt, ein Fluchtgedanke wäre schon deshalb lächerlich gewesen. Auf dem Weg von oben bis unten hatten sich außerdem eine Anzahl bewaffneter Polizisten verteilt, als seien wir alle gefährlichste Verbrecher. Wenn uns noch Handschellen angelegt worden wären, ich hätte mich nicht mehr darüber gewundert.
Der Keller war tief gelegen und groß. Es wäre kein schlechter Luftschutzraum gewesen, wenn ihn nicht riesige Weinfässer ganz ausgefüllt hätten. So blieben nur die langen, schmalen Gänge zwischen den Fässerreihen. In ihnen mußten wir stehen, zu zweit hintereinander, mit dem Gesicht gegen die Stirnwände der Fässer. Wehe dem, der zu sprechen wagte, ja auch nur den Kopf zur Seite drehte. Hinter ihm schlich der brutale Wachtmeister O. lautlos die Reihen ab, schimpfte und drohte. Als ich den Kopf etwas vorneigte und die Reihe entlangsah, um festzustellen, ob vielleicht Prof. K. auch geholt worden war, da hörte ich den allerseits verhaßten Wachtmeister zu mir sagen:„ Du bist der Erste, dem ich mit dem Schlüsselbund ins Genick schlage!" Rößler stand neben mir.„ So ein verfluchter Hund!", grollte er vorsichtig, als der Kerl weitergegangen war. Gleich darauf hörten wir, wie weiter oben ein Gefangener, der gesprochen hatte, in der Tat mit dem Schlüsselbund mehrmals geschlagen wurde, daß es durch das ganze Kellergewölbe klirrte und klatschte. Hinzusehen wagte niemand.
Nach einiger Zeit erschien durch eine Tür am anderen Ende des Kellers der Oberleutnant im Luftschutzhelm. Er wiederholte die Mahnung, nicht zu sprechen, ging die Reihen entlang und verschwand wieder.
-
Die Zeit vergeht langsam, wenn man so auf einer Stelle stehen muß, sich nicht wenden und nicht sprechen darf, sondern nur den Nacken seines Vor
3 Nur vierzehn Tage
33


