daß die Gefangenen sich nicht des Deutschen Grußes bedienen dürfen, wie der ehemalige Hauptmann schon sagte.
Jetzt sah ich mich auch in der Zelle etwas genauer um. Das Inventar bestand aus einem schweren, eisernen Tisch, zwei eisernen Bänken und einem eisernen Stuhl. An den Wänden waren drei gitterartige Eisengestelle, die offenbar nachts zum Liegen heruntergeklappt werden, denn in ihnen war so etwas wie Matratzen zu sehen.
An einer Wand war außerdem ein kleines Brett mit einigen Fächern, in dem anscheinend etliche Gefangene ihre wenigen Privatsachen, die man- ihnen gelassen, untergebracht hatten. Darüber stand ein Wasserkrug mit drei Bechern. Das war alles, was sich in dem kahlen, graudüsteren Raum befand. Vorn neben der schweren Metalltür war ein eigenartiger Ofen, der vom Flur draußen geheizt wurde. An der entgegengesetzten schmalen Wand war in kaum erreichbarer Höhe ein kleines, schwer vergittertes Fenster. Es war mit fächerartig eingebauten Querscheiben so konstruiert, daß man auch dann nicht hinunter auf Hof oder Straße sehen konnte, wenn man das darunter befindliche Eisengestell benutzend, hinauf zur Fensterhöhe kletterte. Ein schmales Stück Himmel, das war alles, was man von der Freiheit drauBen sehen konnte.
Die Zelle war 6 m lang, 3,5 m breit und 3 m hoch. Ich zählte die Insassen. ,, Neun Mann, das sind etwas viel für diesen kleinen Raum", begann ich wieder das Gespräch. Alle lachten höhnisch auf.„, Haben Sie eine Ahnung!", sagte einer, der mir am nächsten stand.„ So wenig waren wir noch nie." Und der ehemalige Hauptmann Rößler sei hier sein Name erzählte
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mir, daß sich am letzten Samstag und Sonntag zweiundzwanzig Gefangene in der Zelle befunden hätten.„ Das war der Rekord bis jetzt", fügte er mit grimmigem Lachen hinzu.
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,, Zweiundzwanzig Mann in diesem kleinen Raum. Und alle schlafen hierin? Das ist doch nicht möglich!", sagte ich ungläubig.
,, Bei der deutschen Polizei ist alles möglich", mischte sich ein anderer in das Gespräch.„ Draußen steht zwar groß und deutlich mit Ölfarbe vermerkt: 61 Kubikmeter, 4 Gefangene aber die Polizei braucht sich natürlich nicht daran zu halten."
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Der das sagte, war ein Mann von etwa fünfundfünfzig Jahren, der bisher still abseits gestanden hatte. Erst jetzt fiel mir sein feiner, durchgeistigter Kopf auf, der auf einem schmächtigen Körper saß. Das Gesicht war sehr
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