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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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Entlassen? Bei Kriegsverbrechen wird man nachher nicht entlassen! Aber Sie haben Ihre Strafe doch verbüßt. Jetzt' muß man Sie doch wie- der freilassen?, erwiderte ich ungläubig, denn mir schien, der Mensch

schwindelte, obwohl er nichtso aussah.

Lieber Mann, sagte er und lachte dabei grimmig auf.Sie kennen das neue Deutschland noch nicht. Jetzt komme ich in ein Lager. Dort ist die Behandlung meist noch schlimmer als im Gefängnis.

Und wie lange?

Er zuckte die Achseln:Das weiß nur der liebe Gott. Mindestens bis zum Kriegsende.;

Er merkte mir an, daß ich es nicht glaubte. Es wollte mir einfach nicht in den Kopf, daß man Menschen auf.unbestimmte Zeit festhält, die ihre Strafe abgesessen haben. Das schlägt jedem Rechtsempfinden ins Gesicht. Mir war es, als hätte ich körperliche Schmerzen bei dem Gedanken, daß solche Dinge in unserem deutschen Vaterland geschehen.

Sie dürfen mir schon glauben, nahm der Andere das Gespräch wieder auf, und alle hörten weiter zu.Meine Papiere sind jetzt in Berlin ; dort wird endgültig entschieden, ob ich in ein Lager komme oder freigelassen werde. Die Aussichten sind schlecht. Ja, wenn sich eine Firma für mich einsetzen würde, bei der ich gleich die Arbeit aufnehmen könnte, wenn ich einen kriegswichtigen Beruf hätte, dann sähe es besser aus. Ich war aber früher freier Künstler, Maler, und bin jetzt im Krieg erst in einen Betrieb gegangen. Zu meiner früheren Firma mag ich natürlich nicht zurück. Und nun hänge ich gewissermaßen in der Luft, habe kein richtiges Arbeitsver- hältnis. Geld könnte ich mit meinen Bildern heute natürlich genug ver- dienen. Aber das will man ja nicht; deshalb sperrt man mich in ein Lager, wo ich wahrscheinlich irgendwelche mechanischen Arbeiten für die Kriegs- industrie machen muß. Im letzten Krieg war ich als Hauptmann im Felde. Das ist jetzt nun der Dank des Vaterlandes. Er zeigte auf eine Tafel, die in kleiner Schrift mit Text bedruckt an der Wand hing:Auf der Tafel dort steht, daß dem Gefangenen der Deutsche Gruß verboten ist ich werde nie mehr in meinem Leben ‚Heil Hitler sagen.

Ich ging hin und las.Gefängnisordnung, stand als Überschrift; dar- unter kam eine lange Aufstellung, was den Gefangenen alles verboten ist. Im Gedächtnis habe ich davon nur behalten, daß man nicht durch Klopf- zeichen mit den Insassen der Nachbarzellen in Verbindung treten darf und

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