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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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mit den beiden Gestapo - Beamten wieder in den Polizeiwagen stieg. Was mir Prof. K. durch den Fernsprecher gesagt hatte, waren Nachrichten, nichts als zutreffende Nachrichten über die Kriegslage. Wer will mit Be­stimmtheit behaupten, daß diese Nachrichten von einem feindlichen Sender

stammten?

So sah ich in dieser Rundfunksache dem Kommenden ruhig entgegen. Aber etwas anderes machte mir zu schaffen: In meiner Brieftasche hatte ich verschiedene Zettel, die diese Herren besser nicht zu Gesicht bekamen. Es waren flüchtig hingekritzelte Gedanken, wie sie mir hin und wieder zu­fliegen. Ich hielt sie des Festhaltens wert. Daheim hatte ich eine dicke Mappe voll solcher beschriebener Zettel, meist Aufzeichnungen aus meiner Militärzeit. Vielleicht, daß ich sie nach dem Kriege veröffentlichen konnte. Auf jeden Fall sollten sie später einmal meinen Söhnen nützlich sein.

Wie der Wortlaut auf den Zetteln war, die ich bei mir trug, wußte ich nicht mehr genau; sie waren Wochen, zum Teil Monate alt. Schmeicheleien für die heutigen Machthaber hatte ich aber nirgends aufgeschrieben. Jeder Zet­tel zeigte deutlich: ich bin kein Freund dieses Gewaltstaates, glaube nicht an seine Zukunft.

Wenn diese Zettel der Gestapo in die Hände fallen, kann es gefährlich für mich werden, das war mir klar. Auf dem Rathaus hatte ich deshalb versucht, die Gelegenheit des Austretens zu benutzen, um sie verschwinden zu lassen. Es war aber unmöglich. Der Gestapo - Beamte war mitgegangen und hatte alle meine Bewegungen scharf beobachtet. Als ich nur den leisen Versuch machte, nach meiner Brieftasche zu fassen, schrie er gleich auf. Es war eine Dummheit von mir, denn damit hatte ich mich erst verdächtig gemacht.

Er ließ deshalb jetzt kein Auge von mir, als wir nebeneinander im Kraft­wagen saßen. Wenn er sich auch so stellte, als schaue er harmlos gerade­aus, so merkte ich doch, wie er mich beobachtete, als ich mein Frühstücks­brot aus der Tasche nahm und zu essen begann. Er war ein geschulter Kriminalbeamter. Später erfuhr ich es.

Ich mußte also die Hoffnung aufgeben, die Zettel, die mich jetzt in mei­ner Tasche drückten, als seien es falsche Banknoten, vernichten zu können. Allerdings, die gefährlichsten Aufschriebe würden es wohl nicht sein, die ich zur Zeit bei mir hatte. Aber wenn man daraufhin daheim Haussuchung machte? Herrgott, ich hatte Gedanken niedergeschrieben, die sich zum

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