jungen Jahre, darüber bestand für ihn kein Zweifel mehr. Aber wenn schon, dann wollte er ein Beispiel liefern, wie Russen zu sterben gewohnt sind. Nicht als Feiglinge oder reuemütige Sünder, sondern als Kämpfer gegen den Faschismus!

Die Minuten wurden zu Stunden. Sein ganzes Nerven­system war aufs äußerste angespannt. Jedes Geräusch, jeder Schritt auf dem Gang, jedes Wort, was draußen gesprochen wurde, das Knacken und Aufschließen der anderen Zellentüren, fanden ihn kampfbereit.

Noch einmal überflog er im Geiste flüchtig sein Leben. Gedachte der schönen und schlechten Stunden seines kur­zen Erdendaseins.

Noch einmal nahm er Abschied von allem, was ihm in seinem Leben wertvoll erschienen war. Von seiner lieben Schwester, der Mutter, dem Vater und anderen guten Menschen und vor allem von seiner schönen Heimat, der Sowjetunion .

,, Genosse Stalin , ein Kovalenko wird dir keine Schande bereiten."

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Einige Minuten vor 17 Uhr!

Knarrend wurde die Tür geöffnet. Eine Stimme erscholl: ,, Legen Sie Ihre Hände auf den Rücken und kommen Sie rrrraus!"

Im selben Augenblick sprang Wladimir auf einen der beiden Henker zu, der eben diesen Befehl gegeben hatte, und stieß ihm sein Messer tief in die Kehle. Ein roter Blutstrahl spritzte gegen die Wand. Kein lauter Schrei drang mehr aus diesem Körper, nur noch ein Röcheln.

Der zweite Henker war dermaßen überrascht, daß er nur einen Schlag mit der Handschelle gegen Wladimirs Kopf anbringen konnte. Im Moment wurde es Wladimir fast schwarz vor den Augen. Seine aufgespeicherte Ener­gie gab ihm für diesen Augenblick die Kraft, mit einem weiteren Sprung auf den Gang den Versuch zu machen, zu entkommen.

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