inspizierte Hooven mit mir die Säle, so daß er Collinet sah und mir sofort Vorwürfe machte, daß ich ihm keinen Bericht davon erstattet hätte. Ich benutzte die Ausrede, daß es doch nicht zu besonderen Vorkommnissen gehöre, wenn irgendein Häftling als Kranker ins Revier aufgenommen würde. Der Arzt antwortete:
,, Aber Krämer, auf den warte ich doch schon so lange!" Dr. Hooven war dabei sehr aufgeregt, ließ Collinet sofort in ein separates Zimmer bringen und gab ihm selbst die Spritze. Einige Sekunden später hatte Collinet gelebt, er war tot!
Hervorzuheben ist noch, daß Collinet am ganzen Körper durchweg tätowiert war, und sein Körper die schönsten Bilder aller Tätowierten im Lager aufzuweisen hatte. Dies ist der Grund, weshalb der Fall Collinet besonders interessiert.
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Einige Monate waren vergangen. Sommer und Herbst gingen vorüber. Der Wind pfiff durch alle Fugen. Es war an einem kalten Wintertag. Ich hatte mich mit dem Leiter bzw. Kapo der Pathologie verabredet.
Er erzählte mir viele Dinge aus seinem Beruf, vom Sezieren, fertigte histologische Schnitte von Menschenfleisch an und ließ sie mich dann durchs Mikroskop beschauen. Machte mich auf Zellenbildung, Bazillen, Tuberkel und vieles andere aufmerksam vom echten Skelett bis zu einem konservierten geplatzten Menschenmagen usw. Der geplatzte Magen stammte von einem ,, Schwarzen", der aus Hunger sich alles übriggebliebene Sauerkraut seiner Kameraden einverleibte. Er starb elend daran. Mein Erklärer erzählte mir, daß sie noch eine Unmenge Sauerkraut diesem Magen entnommen hätten. Dieser Häftling wollte sich einmal satt essen.
Zuletzt schlug mein Führer eine Mappe auf. Darin lagen wundervolle Zeichnungen und Sprüche aller Art. Er reichte sie mir einzeln zur näheren Besichtigung, wie man jemandem Fotografien zeigt. Diese Stücke fühlten sich wie starkes Pergament an. Als ich ihn nach Art und
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