Ja, aber wie? Schon einige Stunden später wußten wir es. Der verrufene, gefürchtete Hauptscharführer Blank war in Begleitung des Scharführers Hettig ins Lager gekommen. Ihr Weg galt direkt der Strafkompanie. Auf besonderen Befehl des Standartenführers Koch befanden sich alle sogenannten ,, Rassenschänder" aktenmäßig in der Strafkompanie. Alle Juden mußten sofort vor dem Block antreten.
Nach den Fragen:" Woher?" ,, Wie alt?" ließ Blank ca. 10 Juden zur Seite stellen. Auch meinen Freund Rolf Baumann fragte er. Mit zackiger, strammer Haltung trat er vor Blank. Auge in Auge. Mit einem sympathischen, mehr ernsten Lächeln beantwortete er die Fragen. ,, Woher" mit ,, Berlin " und ,, Wie alt" mit ,, 24 Jahre".
Blank hatte schon das Zeichen gegeben, daß er ebenfalls zur Seite treten solle, als er ihn im selben Moment wieder zurückrief.
,, Jawohl, Berliner bin ick, Herr Hauptscharführer!" ,, Bleib mal hier, geh wieder zum großen Haufen!" Rolf trat mit einem lauten, kurzen ,, Jawohl" zurück. Was hatte wohl Blank veranlaßt, Rolf zurückzuschikken? War es sein sympathisches Äußere oder sein schneidiges Auftreten? Wir wissen es nicht. Bemerkenswert ist jedoch noch, daß Rolf gar kein Jude war, sondern der Söhn einer arischen Frau, die ihn unmittelbar nach der Geburt ihrer jüdischen Freundin namens Baumann, natürlich mit deren Einverständnis, untergeschoben, übereignet hatte. Trotz aller Gesuche, Schreiben an das Rassepolitische Amt Berlin, hat diese Rabenmutter, eine Postsekretärin in Ber lin , bis heute meinen Freund Rolf als uneheliches Kind geboren zu haben, bestritten. Dies wahrscheinlich aus Angst um ihre Position.
Und nun war er als ,, Rassenschänder" unter erschwerten Bedingungen hier in der Strafkompanie.
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Die herausgesuchten Juden mußten zum Tor hinauf.


