Einundzwanzig!

Am 8. November findet alljährlich die Zusammenkunft deralten Nazi im Bürgerbräukeller von München statt. Hitler hält dann meist eine lange Rede. In diesem Jahr, 1944, fiel beides aus, die Rede und die Zusammen- kunft. Die Begründung in den Zeitungen war, daß der Führer jetzt wichtigere Dinge zu tun habe als zu reden. Andere behaupten, Hitler hätte es die Sprache verschla- gen. Mag es sein, wie es will!

Der 8. November 1939 wurde jedoch noch in der vor- gesehenen Form gefeiert. Radio und Zeitung berichteten am 9. November 1939 in sensationeller Aufmachung, daß wenige Minuten nach Beendigung der Rede Hitlers vor seinen altenPG.s unter dem Rednerpult eine Höllen- maschine losgegangen sei. Wie man wissen wollte, sei dies ein Anschlag des englischen Spionagedienstes auf Hitler gewesen. Es soll auch ein Engländer als Attentäter verhaftet worden sein, über den später nie wieder etwas gehört wurde. Diese Dinge sind allgemein bekannt und bedürfen keiner ausführlichen Erwähnung.

Aber wie wirkte sich dieses Ereignis auf unser Lager aus? Als in der frühen Morgenstunde am 9. November 1939 zwischen 4 und 5 Uhr die Blockältesten zur Schreib- stube die Appellstärke meldeten, war das Geschehene den deutschen Radiomeldungen entsprechend bekannt. Eine unheimliche Atmosphäre lag über dem Lager. Jeder er- fahrene Konzentrationär rechnete damit, daß sich dieses Ereignis, wie alle vorhergehenden politischen Geschehnisse irgendwie auf das Lager auswirken würde.

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