BERE

mas und allgemeiner körperlichen Schwäche schon mehr­mals versucht hatte, dem Arzt vorgestellt zu werden, wurde jedesmal zurückgewiesen. Lange grübelte er nach einem Ausweg.

Der Winter 1937/38 war sehr kalt. Der Schnee knirschte, wenn die Häftlinge blockweise zum Appellplatz mar­schierten. Nach Beendigung des Appells, als sich die Ar­beitskommandos formierten, erklang der Ruf: ,, Arztvor­

melder antreten!"

Unter diesen befand sich auch der bereits erwähnte Bibelforscher. Siegesbewußt stellte er sich in die Reihe

der Arztvormelder.

,, Diesmal schaffe ich es, heute wird er mich nicht da­vonjagen", murmelte er für sich hin.

Zwei Drittel der Gemeldeten waren von Weißenborn bereits für gesund erklärt und unter Ohrfeigen und Fuß­tritten zu ihrem Kommando zurückgeschickt worden. Jetzt kam der Bibelforscher an die Reihe.

,, Na, und du Himmelfahrtskomiker, was ist mit dir los?"

,, Herr Hauptsturmführer, ich habe sehr stark Asthma und bin körperlich vollkommen herunter, ich bin außer­stande, noch zu arbeiten. Diese Nacht hatte ich 39,5 Fieber."/

,, Was, bei dieser herrlichen Buchenwaldluft willst du körperlich runtergekommen sein? Du schiebst eine ganz schöne Kugel. Wenn es mir nach ginge, müßte jeder ein­zelne noch täglich 10 Mk. für die gesunde Höhenluft als Pension zahlen!"

,, Herr Hauptsturmführer, darf ich Ihnen noch etwas mitteilen?"

,, Dann rede schon, du alter Mistvogel, aber fasse dich kurz!"

,, Herr Hauptsturmführer, ich habe diese Nacht von Ihnen geträumt!"

"

, Was kannst du Jehovaheini schon von mir geträumt haben? Erzähl!"

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