Der Traum vom Kranksein

Als ich am 28. Oktober 1933 in Breslau in die Polizei­zelle Nr. 43 eingeliefert wurde, war mein erstes, mir meine neue Behausung genauestens zu beschauen. Nach 7 stündiger harter Vernehmung, begleitet von starken Mißhandlungen, hatte ich mich mit dem Gedanken ver­traut gemacht, mit einer langen Gefangenschaft rechnen zu müssen. Mir war klar, daß ich jetzt auf Jahre hinaus, vielleicht auch für immer, lebendig begraben sein würde.

So ging ich mit Ruhe, Gelassenheit, jedoch auch mit Zuversicht an die Besichtigung meiner Zelle. Neben un­angenehmen Inschriften an der Wand wie, 7 Jahre Zucht­haus wegen Lustmord! Auf nach Wohlau !" fand ich auch zwei, die mir besonders gefielen. Die erste lautete:

,, Humor ist die lächelnde Überwindung des Lebens." Die zweite: ,, Ein Optimist siegt immer! Immer!" Diese zwei Inschriften kamen mir in Erinnerung, als sich 1937 bei uns folgender Fall ereignete:

Meldete sich ein Häftling zum Arzt, mußte er sich vor­her einer Besichtigung durch den Lagerführer, Haupt­sturmführer Weißenborn, unterziehen. Dies hatte den Zweck, Häftlinge, die noch irgendeine Arbeit leisten konnten soweit ein Mensch dies dem äußeren Aussehen vom Lagerführer nach überhaupt beurteilen konnte

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wieder zu ihrem Arbeitskommando jagen zu lassen. Hier traf ungefähr zu, daß derjenige, der nicht mit seinem Kopf unter dem Arm ankam, nicht zum Arzt zugelassen wurde.

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Ein Bibelforscher, der auf Grund seines starken Asth­