sehr einfach. Sie gingen durch die Lagerstraßen zwischen den Blocks, trafen sie jemand mit einem ihnen unsympathischen Gesicht, faßten sie ihn und schleppten selbigen zur Nachtarbeit nach dem Appellplatz. Ob er wollte oder nicht, er mußte und wurde bei dem geringsten Widersetzen mit Prügel dazu getrieben.
So versuchten sie es eines Abends im Frühjahr 1938 mit einem ,, Schwarzen". Die Bezeichnung ,, Schwarzer" hat weder mit der schwarzen Rasse noch mit seiner Hautfarbe etwas zu tun, sondern mit der schwarzen Markierung, die er als sogenannter„ Asozialer" tragen muß, genau wie die Berufsverbrecher auf Grund der grünen Markierung ,, Grüne", die Politischen ,, Rote " benannt
werden.
Dieser ,, Schwarze " war ein großer, kräftiger, schätzungsweise 40jähriger Mensch. Er machte einen selbstbewußten Eindruck und war auf alle Fälle nicht gewöhnt, sich wie ein Sklave oder wie ein Stück Vieh behandeln zu lassen. Und so mußte das eintreten, was in solchen Fällen zu erwarten war. Als ihn nämlich der Lagerälteste Richter mit Gewalt zwingen wollte, wehrte er sich und schlug ihm eine runter. Das war das Signal für die übrigen ,, Grünen". Sie scharten sich zusammen und schlugen alle auf ihn ein. Er wehrte sich aber wie ein Löwe. Erst, als er völlig erschöpft war, gab er den Widerstand auf. Jetzt jubelten die Bestien in Menschengestalt. Packten und schleiften ihn zum Appellplatz. Inzwischen war aber das Kommando vollzählig und rückte bereits zum Tor hinaus. Da holte sich der Berufsverbrecher, Lagerältester Richter, beim Lagerführer die Genehmigung, den ,, Widerspenstigen" als Strafe wegen Schlagens seines Vorge- Lagerältesten und Blockältesten einige Stunden ,, aufhängen" zu dürfen. Der Lagerführer gab sofort. sein Einverständnis, und der Arrestmeister Sommer lieferte ihnen die Leine zur Fesselung.
setzten
-
-
Zu dieser Zeit standen noch die dicken Buchen auf dem Appellplatz. An eine dieser Buchen wurde er gehängt.
50


