Und ihr wollt Arbeiter sein!?

1938 gab es im Lager außerordentlich viel Arbeit. Danach war auch die Arbeitszeit! Um 3.45 Uhr wurde aufgestanden, 4.30 Uhr zum Appellplatz ausgerückt. 19 Uhr war Einrücken, anschließend Appell, danach Ein­nahme des warmen Essens. 20 Uhr bzw. 20.15 Uhr muß­ten die Häftlinge, die Nachtarbeit hatten, bereits wie­der angetreten sein und arbeiteten dann im Lichte der Scheinwerfer meistens bis 24.00 Uhr, mitunter auch bis 1.00 Uhr nachts. Den nächsten Morgen mußten sie aber genau so früh wie die übrigen Häftlinge, also 3.45 Uhr, wieder aufstehen. Dies ging nicht nur eine Woche, son­dern viele Wochen, ja Monate ohne Unterbrechung vor sich. Häftlinge in der Tischlerei mußten 1937 einmal 3 Tage und Nächte hintereinander, ohne zu schlafen, ar­beiten. Erst als sie vor den Maschinen zusammenbrachen, durften sie schlafen gehen.

Daß sich zu solchen Arbeiten niemand besonders drän­gelte und Häftlinge nach dem Abendappell wegen völ­liger Erschöpfung ins Krankenrevier aufgenommen wer­den mußten und somit zur Nachtarbeit nicht erscheinen konnten, ist selbstverständlich und kam oft vor. Da aber jedes Nachtarbeiterkommando in voller Stärke ausrücken mußte, entstand jedesmal die Frage: Wo die Ersatzleute. hernehmen. Die Berufsverbrecher, die zur damaligen Zeit die führenden Positionen im Lager inne hatten und sich bis auf wenige Ausnahmen als Büttel und Einpeitscher der Anordnungen der Lagerführung besonders tüchtig er­wiesen, machten sich die Heranschaffung der Ersatzleute

4 Barthel, Ohne Erbarmen

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