er auch nicht, könnte er höchstens noch ins Scheißhaus gefallen sein." Zu dem Juden gerichtet: ,, Das sage ich Ihnen schon heute, wenn der nochmals wo auftauchen sollte, dann Gnade ihm, dann werde ich dafür sorgen, daß er am längsten gelebt hat." Einer der Toten hatte das rechte Auge noch zur Hälfte offen. Sein Gesicht hatte einen verächtlichen Ausdruck und mir war, als wollte er uns jetzt noch verspotten. Die anderen waren mehr oder weniger entstellt. Wir brachten die Särge wieder hinein und stapelten sie übereinander auf. Rap­portführer: ,, Ihr könnt abrücken." Er selbst führte den Juden ins Lager nach den Baracken I a bis 5 a.

Noch einmal schaute ich auf diese kleine Bretterbude zurück. Und die Gedanken schossen durch den Kopf: wenn du im Lager kaputt gehst, werden sie auch deinen Körper dahin schleifen und dich aufstapeln. Wie scheuẞ­lich. Fünfundzwanzig in einem kleinen Raum!

Jetzt stehen wir am Schwanenteich. Ich versuche, das soeben Erlebte abzuschütteln und konzentriere mich auf die Schönheiten der Natur. Gravitätisch und stolz durch­gleiten die Schwäne das Wasser. Es sind auch austra­lische Schwäne unter den bekannten weißen, sie sind schwarz mit einem roten Schnabel. Die Enten liegen in der Sonne, ein Teil davon rudert im Wasser, taucht wie­derholt und sucht Futter. Ein Idyll vom friedlichen Leben.

Wir gehen weiter. Vor uns befindet sich der Bären­zwinger. Bis auf die Tatsache des Gefangenseins, leben die Tiere ganz natürlich. Trotz der Überfülle wichtigster Arbeiten zur notdürftigsten Unterbringung der Menschen mußten im Frühjahr Häftlinge im Caracho eine der Na­tur angepaẞte Bärenbehausung bauen. Da mußten große Brocken von Steinen transportiert werden, da wurde nicht nur Schweiß, sondern auch Blut geschwitzt.

Wäre der Hirsch gegenüber dem Bärenzwinger nicht durch eine sehr stabile Umzäunung von uns getrennt, er würde uns bestimmt aufspießen. Vielleicht haßt er auch

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