Lieber Kamerad Max!
Ein Brief
Als einer meiner Freunde mir vorschlug, mit Dir zusammen ein Buch zu schreiben, machte ich meine Zusage insgeheim abhängig von dem ersten Eindruck, den die Persönlichkeit des Mannes auf mich ausüben würde, dessen Erlebnisse ich in dem Buch vereinigen sollte. Du tratst in mein Zimmer, stark und fremd. Es war mir, als seiest Du umweht von der Luft der Ferne und des Außergewöhnlichen. Wir fanden uns gleich im Gespräch. Es gab einen guten Klang. Und mein Entschluß stand fest. Ich sagte ja.
In gemeinsamer Arbeit entstand ein Werk, das mehr erforderte, als gewöhnliche Arbeitsteilung. Es stellte nicht nur Anforderungen an Leistung und Sicheinfühlen in den Stoff, sondern auch an den Menschen selbst. Der ganze Mensch, wie er leibt und lebt, fühlt und denkt, mußte hier dabei sein. Sollte das Werk gelingen, dann mußten wir uns nicht nur in unserer Begabung, in allen Einzelheiten der Arbeit gegenseitig ergänzen, sondern auch in unseren Beziehungen von Mensch zu Mensch.
Ein Buch, von zwei Autoren geschrieben: immer ein gefährliches, selten ganz geglücktes Experiment. Wir unternahmen das Wagnis. An den Anregungen, die Du mir gabst, hatte weniger die Sachlichkeit des Berichterstatters Anteil als die menschlich warme und sympathische Art Deiner Persönlichkeit. Ohne das wäre es kaum gut gegangen. Je mehr ich mich mit Herz und Phantasie in den Stoff hineinlebte, desto mehr gewann ich die Überzeugung vom Gelingen des Buches. Ich erlebte Deine Fahrten und Abenteuer nicht nur nach, sondern mit, und Du hast mir mehr als einmal bestätigt, daß meine Phantasie bei der Gestaltung des Werkes mich bisweilen instinktsicherer geführt habe, als es auch die detailliertesten Beschreibungen und die genauesten Schilderungen
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