menschlichem Bedarf und Luxus. Und hundert Meter entfernt verhungerten und verreckten Menschen in Elend, Not und Qual.
In wenigen Tagen hatte unser Lager ein ganz anderes Gesicht bekommen. Die Blocks waren desinfiziert und entlaust. Überall Sauberkeit, Ordnung, planmäßige Organisation. Eine Atmosphäre des Friedens.
Des Friedens und der Freiheit. Vier Freiheiten hatten die Alliierten für den Menschen auf Erden proklamiert. Ach, wir kannten viel mehr und doch nur eine. Die Freiheit, die alle andern einschloß. Welch unbeschreibliches Gefühl, wieder leben und atmen zu dürfen ohne Angst und Sorge, Hunger und Mißhandlung! Kein Appell mehr, kein Strammstehen, kein Geschrei und keine Prügel! Kein SS- Mann hinter uns, wo wir jeden Augenblick gewärtig sein mußten, den Gewehrkolben ins Kreuz zu kriegen, kein Hauptscharführer, der Inbegriff aller gefährlichen Möglichkeiten, vor uns, kein Blockführer als Bluthund neben uns. Frei konnten wir uns bewegen, frei auf dem Rasen liegen, ohne von MG- Geschossen hingemäht zu werden. Frei denken und reden, ohne befürchten zu müssen, von einem Spitzel verraten zu werden, frei in den von höllischen Bombern gesäuberten Himmel sehen, frei unter Freien, nicht mehr unter Knechten und Sklaven sein!
O Freiheit, du kostbarstes Gut des Menschen, das ihm erst Würde und den Sinn des Lebens verleiht, ihn erst zum Geschöpf Gottes macht!
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