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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Nachher

Nach und nach wurde das Lager geräumt. Ende Mai war meine Quarantäne beendet. Der 2. Juni 1945 entließ mich aus dem Lager Dachau . Ich konnte fahren oder gehen, wohin ich wollte. Einen Zehrpfennig bekamen wir mit und dazu einen Beutel mit allerhand leckeren Sachen drin, Verpflegung für mehrere Tage und die Versicherung, daß überall gut für uns gesorgt werden würde.

Ich ging mit einigen Kameraden zuerst nach Dachau in die Stadt. An schönen Häusern vorbei, unter blühenden Bäumen. Es war ja Frühling, Frühling, wie ich schon lange keinen mehr erlebte, wie ich so herrlich überhaupt nie einen erlebt hatte. Grüne Wälder, grüne Wiesen, sprossende Felder, Blüten, Blumen. Mir schien, als sei ich aus dem Grab gestiegen und zu neuem Leben erwacht. Die Erde war ein Märchen, ein Wunder. O Gott, war denn das alles Wirklich­keit? In einem stillen grünen Tal sank ich zutiefst erschüttert zu Boden und schluchzte in mich hinein. Mein Gesicht berührte die warme, gute Erde, es war, als küßte ich sie und sie mich.

Lange wanderte und fuhr ich mit den Kameraden nicht durch die Gaue. Ich mußte für mich allein sein. Allein auf der Straße, auf stillen Waldwegen zu gehen, frei und unbeschwert, ist das nicht über alle Maßen herrlich nach solch einer Zeit der Not und Pein? Aus der Hölle stracks zurück ins Paradies.

Ich wanderte kreuz und quer durch blühende Gaue, schlief bei Bauern und guten, hilfsbereiten Menschen, wurde überall warmherzig aufgenommen, aufs beste verpflegt.

Zuerst wollte ich mal meine Lieben in Thüringen aufsuchen. Dann würde mich mein Weg vielleicht nach Österreich führen, um Resi Hubmann wieder­zusehen. Joseph war ja am Leben geblieben. Ich hatte also nicht die schwere

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