zuzuschieben. Aber nein, die meisten von uns verwerfen den Gedanken sofort. Die Naziverbrecher haben keine Gelegenheit mehr zu dieser Schandtat. Es ist zu spät für sie. Keiner ihrer Bomber kann sich mehr in die Lüfte wagen. Die Minuten schleichen dahin. Die letzte Szene des Dramas läuft ab. Die Luft ist mit dramatischen Spannungen wie mit Elektrizität geladen. Der Druck lastet schier unerträglich auf uns. Können wir nichts tun, um dem, was zu fallen im Begriff ist, den letzten Stoß zu versetzen? Wir stehen und liegen wie gelähmt umher, wie Marionetten, die nicht mehr von ihrer Maschinerie bewegt werden und ohne Regung verharren, starr und unheimlich.
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Da wieder Schießen! Dumpfes Rollen. Das müssen Panzer sein. Lärm. Getöse. Artilleriefeuer. Wir lauschen gespannt. Es ist offenbar ein Feuergefecht im Gang. Granaten heulen. Es zischt und pfeift. Starke Feuerschläge.
Ich halte es nicht mehr aus, verlasse die Baracke, schleiche mich geduckt an die Umzäunung, belauere den Eingang des Lagers, verhalte den Atem vor Erwartung. Einschläge in die steinernen Wachtürme. In einen hat es schwere Breschen geschlagen. Ist die SS noch darin? Erwidert sie das Feuer? Ich kann nicht viel beobachten, was vorgeht. Aber was seh ich da?
Mein Gott, ist es möglich... ein Amerikaner! Ein kleiner, starker Kerl mit schwarzen Haaren, sein Khaki staubbedeckt, in den Händen eine Maschinenpistole. So schleicht er am Wassergraben entlang, der den äußeren Stacheldraht umgibt. Ein Schuß fällt. Der Amerikaner geht in Deckung. Acht SSLeute in ihren laubfroschgrün gesprenkelten Uniformen treten hervor. Heben sie die Hände hoch? Ja, sieh, ein paar tun es. Zwei, drei folgen zögernd, aber dort die zwei, die sich hinter ihnen herumdrücken, greifen nach ihrem Revolver. Einer schießt. Blitzartig erwidert der Amerikaner. Rums- eine Salve aus der Maschinenpistole und alle acht liegen in ihrem Blut.
Ich pürsche mich an die Böschung vor, mir kommen vor Erregung Tränen in die Augen. Ich beobachte die Umzingelung des Lagers durch den amerikanischen Trupp. Und jetzt Gott, laß uns das Glück ertragen sich das Tor. Das Tor zur Freiheit.
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öffnet
Tobender Jubel der Lágerinsassen. Alles drängt herbei. Viele schluchzen und weinen. Es wird erzählt, daß da und dort einer das Übermaß der Freude nicht
ertragen konnte und seinen Geist aufgab. Wir waren gerettet; dem Leben, der Freiheit zurückgegeben.
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