wehrkolben erschlagen. Die Leidenswege der Transporte in den letzten Tagen vor dem Zusammenbruch waren gezeichnet mit Leichen.
Ein zweiter Transport wurde zusammengestellt. Viele drückten sich davon, tauchten in der Masse irgendwo unauffindbar unter. Die Parole war, auf eigene Faust zu handeln, durchzugehen, die Bewachung der Transporte bei schicklicher Gelegenheit zu entwaffnen und sich zu den Amerikanern durchzuschlagen. Es stand bei jedem fest, daß man mit einem Transport das Ziel nicht mehr erreichen werde. Es waren Transporte ins Nichts, ins Geisterreich; letzte Bataillone, die in Nacht und Nebel verschwanden.
Nacht und Nebel! Ja, was war auch aus den NN- Blocks geworden? Um die Häftlinge in ihnen war immer ein Geheimnis gewesen. Allen Anzeichen nach hatte es sich um Blocks gehandelt, in denen Todeskandidaten untergebracht wurden, Leute, die man aus besonderen ,, staatspolitischen" Gründen liquidieren wollte und durch das Fegefeuer der Gaskammern und Giftspritzen gehen ließ. NN. Wir hatten Nacht und Nebel aus den anonymen Buchstaben abgeleitet. Die Insassen dieser Blocks lösten sich auf Nimmerwiedersehen in Nacht und Nebel auf.
Die Holländer und Spanier der letzten Zeit in diesen Blocks waren nicht mehr da. Auch die NN- Blocks waren jetzt überfüllt mit gewöhnlichen" Häftlingen. Es kamen aber trotz der Überfüllung des Lagers, und obwohl große Verbände von Häftlingen abtransportiert wurden, immer neue Massen von Insassen aus den Außenkommandos, Zuchthäusern und Gefängnissen. Ohne jede Möglichkeit der Verpflegung wurden die Leute einfach in das Lager hineingestopft.
Wir lauschten von Stunde zu Stunde dem Kanonendonner. Wann, o Gott, wann kamen die Amerikaner? Wir stellten einmal voller Enttäuschung fest, daß am Tag vorher der Kanonendonner stärker gewesen war. Wurden sie von deutschen Truppenverbänden aufgehalten oder gar, wie es da und dort auch vorkam, vorübergehend zurückgeschlagen? Wenn sich ihr Vormarsch nur um Tage verzögerte, mußte das für uns die verhängnisvollste Auswirkung haben. Es war gar nicht mehr daran zu denken, daß noch Lebensmittelzufuhren kamen. Und die Magazine für die Häftlinge waren leer.
Im Lager brodelte und rumorte es wie in einem Hexenkessel. Die Unruhe und Erregung stieg auf den Höhepunkt. Es herrschte Panik ja sogar
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